„Ein richtig wichtiger Schritt“

Sport / 19.12.2016 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein letztes Mal in diesem Jahr standen sich Spieler und Fans Aug in Aug gegenüber – mit einem Tänzchen auf der Tribüne und unten am Platz verabschiedete man sich in die Winterpause. Fotos: gepa/5
Ein letztes Mal in diesem Jahr standen sich Spieler und Fans Aug in Aug gegenüber – mit einem Tänzchen auf der Tribüne und unten am Platz verabschiedete man sich in die Winterpause. Fotos: gepa/5

Fußball-Österreich verneigt sich vor den Leistungen des Cashpoint SCR Altach.

Altach. Der Tag danach, fast alles beim Alten. Vor allem für Werner Grabherr. Es ist kurz nach acht Uhr morgens, als der Interimscoach das Vereins-Office betritt – als Marketingleiter des Cashpoint SCR Altach. Dennoch ist es kein Tag wie jeder andere. Gratulationen zuhauf trudeln ein, Vorarlberg, ja Österreich freut sich mit dem Wintermeister. Erstmalig steht ein Fußballteam aus dem Ländle in die Winterpause der Bundesliga zuoberst in der Tabelle. Mit einem überzeugenden 3:1 über Rekordmeister Rapid hatten sich Netzer und Co. die Winterkrone gesichert. Spätabends durfte auch Grabherr seine ganz persönliche Krone aufsetzen. Seine Gattin Miriam, die das Spiel krankheitsbedingt zu Hause im TV mitverfolgte, hatte dem 31-Jährigen in der Zwischenzeit eine Winterkrone gebastelt. „Nur in den falschen Farben“, freute sich Grabherr. Dafür durfte er sich über bischöflichen Beistand freuen. Bischof Benno Elbs ließ sich, nicht zum ersten Mal in dieser Saison, ein Heimspiel von Altach nicht entgehen. „Da konnte eigentlich nichts schiefgehen, war er doch auch mein Pfarrer im Vorjahr bei unserer Hochzeit“, freute sich Grabherr.

Lernphase nicht abgeschlossen

Ruhe fand er nach der Partie aber keine, weshalb er das Matchvideo noch einmal genoss. „Das Schöne“, sagt er, „ist die Tatsache, dass es uns auch vor dem Rapid-Spiel niemand zugetraut hat. Wir wollten es als Mannschaft, das war in der Kabine spürbar. Jetzt haben die Spieler den Respekt, den sie sich erarbeitet haben, österreichweit. Das freut mich für sie, und für den Verein war es ein richtig wichtiger Schritt.“ Dass er im Augenblick vielleicht der bekannteste Marketingleiter im österreichischen Fußball ist, nimmt er mit Humor. Und dass sich bei seinen Sponsorenbesuchen in dieser Woche so manches Gespräch hinsichtlich Aufstellung bzw. ausgelassenen Torchancen ergeben wird, ebenso.

Was seine Trainerlaufbahn betrifft, so hat der ehemalige Spieler Grabherr klare Vorstellungen. „Ich werde einen zweiten Anlauf in Sachen UEFA-Pro-Lizenz machen“, definiert er sich immer noch als Lernender. Deshalb wird wohl auch die Anfrage des Erstligisten Floridsdorfer AC im Moment nicht vordergründig sein – auch wenn er sich die Rolle zutraut: „Die vier Wochen mit der Mannschaft habe ich gespürt, wie sehr mir die Arbeit Spaß macht. Heute bist du ja nicht mehr Trainer im herkömmlichen Sinn, sondern Teamführer. Das traue ich mir zu, ich war in all der Zeit auch nie nervös. Jetzt die Ausbildung fertigzumachen, ist für mich die richtige Entscheidung.“ Immerhin trägt er ja auch als Marketingleiter eine Verantwortung für sein Team. Unter den Trainern Adi Hütter, Rainer Scharinger und teilweise auch Damir Canadi hat Grabherr auch die Schattenseiten des Trainerjobs mitverfolgen dürfen. „Da kannst du viel lernen“, ist er überzeugt und vor allem auch froh, weiter den Boden unter den Füßen zu spüren.

Als Marketingleiter ist Grabher seit fünf Jahren dafür verantwortlich, dass der Klub hinsichtlich der Sponsoren auf breiterer Basis dasteht. Als Trainer musste er zuletzt lernen, auch ungeliebte Entscheidungen zu treffen – und Spieler auf der Ersatzbank schmoren zu lassen. „Eine hässliche Nebensache“, sagt er, „gleichzeitig auch gut, weil du als Verein einfach weißt, dass du über einen super Kader verfügst.“

Zu Beginn des Rapid-Spiels stand eine tolle Choreografie.
Zu Beginn des Rapid-Spiels stand eine tolle Choreografie.
Auf den Tribünen wurde teilweise heftig diskutiert.
Auf den Tribünen wurde teilweise heftig diskutiert.
Am Ende standen alle Zuschauer und bejubelten den Sieg.
Am Ende standen alle Zuschauer und bejubelten den Sieg.