Hoffnung als größtes Geschenk von allen

Vorarlberg / 19.12.2016 • 22:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elvira Reiner ist seit 17 Jahren ehrenamtlich tätig.  Foto: CM
Elvira Reiner ist seit 17 Jahren ehrenamtlich tätig.  Foto: CM

Elvira Reiner schenkt schwerkranken Patienten Zeit und Zuneigung.

Bludenz. (cm) 1994 wurde die Hospizbewegung in Vorarlberg gegründet und begleitet seitdem schwerkranke und sterbende Menschen auf ihrem Weg, schenkt ihnen wertvolle Begegnungen und Zuversicht. Ohne die rund 200 Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich für Hospiz Vorarlberg engagieren, wären die Aufgaben kaum zu bewältigen.

Eine von ihnen ist die 70-jährige Elvira Reiner aus Bludenz. Sie ist seit 17 Jahren in der Hospizbegleitung tätig. Als Krankenschwester erlebte sie, wie wertvoll für viele Patienten, aber auch für deren Angehörige ein einfühlsamer Beistand sein konnte.

Bereichernde Begegnungen

„Ich habe damals wahrgenommen, dass die Gespräche mit den Hospizbegleitern viele Ängste und Sorgen unserer Patienten linderten. Auch für die Familienmitglieder war dieses Angebot ein Segen, vor allem wenn sie selbst nicht die Möglichkeit oder Zeit hatten, sich so intensiv um ihre Angehörigen zu kümmern. So habe ich mich entschieden, neben meiner Beschäftigung im Krankenhaus einige Stunden für die Hospizbegleitung zu arbeiten.“ Mittlerweile ist Elvira Reiner im Ruhestand, stellt sich aber nach wie vor gerne in den Dienst der Hospizbegleitung. „Eigentlich ist diese Aufgabe für mich ebenso erfüllend wie kostbar. Wenn ich merke, wie heilsam es für mein Gegenüber ist, dass ich zuhöre, mir Zeit nehme oder einfach nur da bin, dann erfahre auch ich ein Gefühl der Dankbarkeit. Oft bedrückt schwerkranke Patienten und Menschen, die im Sterben liegen, die Angst vor dem Alleinsein. Die einen erzählen gerne von sich und ihrer Vergangenheit, die anderen möchten einfach nur jemanden in ihrer Nähe haben, mit einigen bete ich gemeinsam.“

Kraft schöpfen

Während sich Außenstehende die Hospizbegleitung als Arbeit voller deprimierender und trauriger Momente vorstellen, begegnet man in der Realität einem warmen Gefühl der Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass Schmerzen gelindert werden, dass Anteil genommen wird an der Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Leben davor. Es geht vor allem darum, innere Ruhe zu finden. Das erlebt Elvira Reiner immer wieder. „Wir gehen ein Stück des Weges mit schwerkranken Patienten und ihren Angehörigen. Das sind segensreiche Begegnungen für jeden von uns. Schwierig ist es für mich immer dann, wenn ich bemerke, dass es frühere, ungelöste Konflikte gibt, die den Sterbenden belasten. Diese Momente bedrücken auch mich.“

Umso wichtiger ist für Elvira, dass sie in ihrem Glauben den Halt findet, der ihr guttut. „Im Gebet kann ich belastende Dinge einfach in Gottes Hand legen“, erzählt sie. Was für sie Weihnachten bedeutet? „Es ist die Geburt von Jesus, der uns im Leid vorangegangen ist und uns Menschen dadurch Hoffnung spendet. Und diese Hoffnung und Zuversicht auf das Getragen-Sein ist in so schweren Lebensstunden, wie sie uns in der Hospizbegleitung begegnen, ein wunderbares Geschenk. Das wichtigste Geschenk von allen.“