MUSIK-Tipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 19.12.2016 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER: Symphonieorchester Vorarlberg, Dir. Gérard Korsten

ALBUM: Antonin Dvorák

PRODUKTION/LABEL: ORF Vorarlberg/VMS

Dieses Produkt war wohl überfällig, als erstes Dokument einer zehnjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem SOV und seinem aus Südafrika stammenden Chefdirigenten Gérard Korsten (56) außer den regelmäßigen Hörfunk-Mitschnitten des ORF. Ein solcher bildete nun auch die Grundlage für diese Live-Aufnahme des Jubiläumskonzerts zum 30-jährigen Bestehen des Orchesters vor einem Jahr. Dass man dafür gerade Dvoráks viel strapazierte Symphonie „Aus der Neuen Welt“ wählte, wird dadurch relativiert, dass als zweites Werk seine bisher kaum veröffentlichen „Symphonischen Variationen“ aufscheinen. Beides fügt sich zu einer repräsentativen Visitenkarte des „Landesorchesters“ und seines Chefs, einem mitreißenden Orchesterporträt von ausgefeilter Klangkultur und untrüglichem Gespür für die Atmosphäre dieser Musik, festgehalten in einem technisch sehr plastischen Klangbild aus dem Feldkircher Montforthaus.

 

KÜNSTLER: German Brass

ALBUM: Brass Christmas

LABEL/VERTRIEB: BERLIN Classics/edel:kultur

Das ist höchste Virtuosität in Blech, mit einer Brillanz und Musikalität, die schlicht konkurrenzlos ist. Wenn das international bewunderte Ensemble „German Brass“ heute so wie seit 40 Jahren elf Mann hoch aufspielt, dann ist nach wie vor jeder Einzelne von ihnen ein ausgesuchter Blechbläsersolist und ein strahlender Hochkaräter. Insgesamt gelten sie als Speer- und Weltspitze der Bläserszene, zu Recht eben ausgezeichnet mit dem begehrten „ECHO“-Klassikpreis. Goldene Töne aus goldenem Blech – das ist der Stoff, aus dem die Musik zur Weihnacht gemacht ist, die „German Brass“ hier in kostbaren Arrangements und in verschwenderischer Fülle ausbreitet, von Händels „Halleluja“ über barocke Klassiker aus Bachs „Weihnachtsoratorium“ bis zum Schneeflocken-Largo in Vivaldis „Winter“ aus den „Jahreszeiten“ und zu Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“ als unverzichtbare Weihnachtsbeigabe.

KÜNSTLER: Cappella Gabetta, Leitung Andrès Gabetta

ALBUM: Christmas Concertos

LABEL/VERTRIEB: Deutsche Harmonia Mundi/SONY Classical

Barocke italienische Weihnachtskonzerte sind unverzichtbares und viel gespieltes Kulturgut zum Fest. Diese Neuaufnahme mit der von der Cellistin Sol Gabetta und ihrem Bruder gegründeten „Cappella Gabetta“, einem populären Originalklang-Ensemble, das man auch in Bregenz kennt, zeichnet sich durch besonders frische, spontane Spielweise aus. Die Werke klingen wie gerade aus dem Ei gepellt und ganz ohne Zuckerguss musiziert, den unzählige Interpretationsversuche als Spuren hinterlassen haben. Als Beispiel dafür mag das berühmteste von allen dienen, Corellis Concerto grosso „Fatto per la Notte di Natale“ („Gemacht für die Nacht von Weihnachten“) von 1713. Das berühmte Pastorale daraus schüttelt hier mit einem Schlag allen historischen Staub ab, der sich in drei Jahrhunderten angesammelt hat. Zusammen mit weiteren Stücken dieser Art von Locatelli und Vivaldi eine auch stilistisch untadelige Sammlung.

 

KÜNSTLER: Ludwig Güttler mit diversen Ensembles

ALBUM: Böhmische Weihnacht

LABEL/VERTRIEB: BERLIN Classics/edel:kultur

Auch der Dresdner Startrompeter und Dirigent Ludwig Güttler, unbestritten einer der Väter der internationalen Blechbläser-Szene und Wiederentdecker der sächsischen Hofmusik des 18. Jahrhunderts, hat musikalisch Besonderes zum Fest zu sagen. Seine „Böhmische Weihnacht“ steht für variabel besetzte festliche Barockmusik aus dem Herzen Europas. Von dort zog es Komponisten in alle bedeutenden Musikzentren des Kontinents, weshalb schon damals der Reise- und Musikschriftsteller Charles Burney vom „Konservatorium Europas“ sprach. Diese musikalische Werksammlung von heute wenig bekannten Komponisten wie Vejvanovsky, Neruda, Schmelzer oder Biber bietet stimmungsvolle Klänge abseits ausgetretener Pfade. Gerade darum gelingt es Ludwig Güttler und seinen Weggefährten, in pastoralen Sonaten und Kantaten eine zeitlos schöne weihnachtliche Atmosphäre zu erzeugen.