Susi ist eine Oma zum Ausleihen

Vorarlberg / 19.12.2016 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Leihoma Susanne Jägel hat bei der Betreuung von Hannah (3) und Xaver (2) viel Spaß.  Foto: VN/Hofmeister
Leihoma Susanne Jägel hat bei der Betreuung von Hannah (3) und Xaver (2) viel Spaß. Foto: VN/Hofmeister

Susanne Jägel (57) ist Leihoma in Vorarlberg. Organisiert wird der Dienst seit 1998 vom Familienbund.

Hard. (VN-jun) Auf dem Küchentisch liegen Buntstifte. Hannah (3) sitzt auf der Eckbank und schneidet mit einer Schere Figuren aus Papier aus. Ihr Bruder Xaver (2) bedient sich an dem Klebstift. „Susi, kannst du mir helfen?“ fragt er die Leihoma. Gemeinsam pappen sie die ausgeschnittenen Figuren auf ein Blatt Papier.

Wenn Susanne Jägel jeden Mittwochnachmittag an der Haustüre von Familie Böhler in Hard klingelt, dann öffnen die beiden Kinder mit einem Lächeln im Gesicht die Türe. Denn sie wissen, dass „Oma Susi“ kommt. Als Leihoma macht Jägel mit den Kindern alles, was eine Oma mit ihren Enkeln so macht. „Mit Hannah und Xaver verbringe ich viel Zeit an der frischen Luft“, sagt sie. Schon seit über zwei Jahren betreut Jägel die beiden Geschwister als Leihoma. „Ich kenne Hannah, seitdem sie ein Jahr alt ist. Xaver war damals noch gar nicht auf der Welt“, erzählt sie. Auch wenn sie nicht die leibliche Oma der Kinder ist, deren Mutter Christine Böhler (36) hat Jägel ins Herz geschlossen: „Susanne ist für uns wirklich eine Oma. Sie kümmert sich auch um die Kinder, wenn sie krank sind. Ich bin sehr froh, dass ich sie habe.“

Böhler ist 2014 auf den Leih­oma-Dienst des Vorarlberger Familienbunds aufmerksam geworden, weil sie eine Kinderbetreuung gesucht hat. Ihre Eltern wohnen in Niederösterreich, und die ihres Mannes sind noch berufstätig. „Ich wollte jemanden in der Familie haben, der sich um die Kinder kümmert, wenn ich mal einen Termin habe. Eine Leihoma ist dafür perfekt. Sie bringt Lebenserfahrung mit“, sagt Böhler.

Für Kinder im Einsatz

Jägel hat selbst zwei erwachsene Kinder, aber keine eigenen Enkel. Dabei ist sie gerne mit Kindern zusammen. „Ich habe früher Nachhilfe gegeben und arbeite seit Kurzem auch in der Schülerbetreuung. Leihoma zu sein ist einfach das Größte“, berichtet Jägel, die insgesamt sechs Familien und über zehn Kinder als Leihoma betreut. Jeden Tag ist sie woanders im Einsatz – von Hard über Dornbirn bis Lustenau.

Der Dienst einer Leihoma ist gefragt. Das weiß Annika Marte vom Familienbund: „Wir bekommen sehr viele Anfragen. Denn für Kinder ist es einfach eine Bereicherung, eine Oma zu haben.“ Zurzeit gibt es in Vorarlberg 35 Leih­omas – zu wenige für den steigenden Bedarf. Deshalb sucht der Familienbund weitere Leihomas in Lustenau, Hohenems, Wolfurt, Götzis und im Bregenzerwald.

Kinder geben mir einfach so viel. Deshalb ist es für mich das Größte, als Leihoma tätig zu sein.

Susanne Jägel