Einkommensschere bewegt sich kaum

Politik / 20.12.2016 • 22:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorarlberger Männer bleiben im österreichischen Spitzenfeld, Frauen weiter hinten.

Schwarzach. Der Einkommensbericht des Rechnungshofs macht gleich mehrere Ungleichheiten sichtbar. Die Kluft zwischen Gut- und Schlechtverdienern ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen bewegt sich kaum. Frauenministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) fordert nun ein innerbetriebliches Lohntransparenzgesetz. Damit müssten auch alle privatwirtschaftlichen Betriebe ihre Gehälter offenlegen.

Generell zeigt der Einkommensbericht, dass die niedrigen Gehälter immer niedriger und die höheren immer höher werden. Die inflationsbereinigten Zahlen des Rechnungshofs zwischen 1998 und 2015 machen das deutlich. In dieser Zeitspanne sanken die Bruttojahreseinkommen der niedrigsten zehn Prozent der unselbstständig Beschäftigten um 35,1 Prozent. Auch die mittleren Einkommen verringerten sich um 3,5 Prozent. Im Gegensatz dazu konnten die zehn Prozent der bestverdienenden Personen einen Einkommensanstieg von 4,3 Prozent verzeichnen.

Die Teilzeitfalle

Der Rechnungshofbericht wird seit 1998 alle zwei Jahre erstellt und wertet mehrere Quellen aus, unter anderem die Lohnsteuerdaten und den Mikrozensus der Statistik Austria. Der aktuelle Bericht bezieht sich auf die Jahre 2014 und 2015.

Demnach hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel verändert. Weiterhin verdienen Männer deutlich mehr als Frauen. Werden nur die Zahlen von ganzjährig Vollzeitbeschäftigten herangezogen, beträgt das Medianeinkommen der Frauen österreichweit 82 Prozent des Männermedians. In Vorarlberg liegen die weiblichen, unselbstständig Beschäftigten mit 73 Prozent niedriger. Der Median ist der Wert in der Mitte einer der Größe nach geordneten Zahlenreihe.

Noch deutlicher wird der Unterschied zwischen Männern und Frauen, wenn die Teilzeitbeschäftigten miteinberechnet werden. Dann erhalten Frauen österreichweit nur noch 61 Prozent des Männermedians, in Vorarlberg liegen sie mit 18.898 Euro bei der Hälfte des mittleren Bruttojahreseinkommens der Männer. Das Einkommen der Vorarlberger Frauen liegt – Teilzeitbeschäftigungen miteinberechnet – im Bundesländervergleich an zweitletzter Stelle vor Tirol. Dies lässt auf eine hohe Teilzeitquote im Land schließen. Werden nur die Vollzeitbeschäftigungen herangezogen, rücken die Vorarlberger Frauen auf Platz fünf vor.

Laut Neos wird mit dem Einkommensbericht „das Problem der Teilzeitfalle“ deutlich. Weiterhin würden falsche Anreize gesetzt, die lange Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitbeschäftigungen insbesondere für Frauen attraktiv machen, sagt Claudia Gamon, Rechnungshofsprecherin der Partei. Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker fordert zugleich ein Ende der Negativsteuer. Sie müsse an ein Mindestarbeitsausmaß geknüpft werden, sagt er. Die hohe Zahl der Teilzeitbeschäftigungen wirke sich schlussendlich auch auf die Höhe der Pensionen aus.

Dem Rechnungshofbericht zufolge müssen die Pensionisten in Vorarlberg mit dem niedrigsten Bruttojahreseinkommen auskommen. Hier liegt der Median bei 17.351 Euro und bildet österreichweit das Schlusslicht. Grund dafür sind die niedrigen Pensionsbezüge der Frauen. Bei ihnen beträgt der Median 13.189 Euro, österreichweit liegt er bei 15.377. Männer hingegen können in Vorarlberg mit 25.105 Euro brutto pro Jahr rechnen, österreichweit mit 25.828 Euro.

Hubert Lötsch vom Pensionistenverband glaubt, dass sich im Land zwar auch die geringere Beamten- und Akademikerdichte sowie Auslandspensionen auf die Statistik auswirken, ebenso die Beschäftigungsverhältnisse der 60er und 70er. Am gewichtigsten seien aber die niedrigen Frauenpensionen, die sich aufgrund der starken Teilzeitquote ergeben würden: „Hier sind wir jenseits von Gut und Böse“, sagt Lötsch.