Figuren aus Ton mit dem gewissen Etwas

Vorarlberg / 20.12.2016 • 18:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Achtsam nimmt Schwester Maria die Tonfiguren aus dem Brennofen. Foto: cm
Achtsam nimmt Schwester Maria die Tonfiguren aus dem Brennofen. Foto: cm

Was die Krippenfiguren uns mit ihren Geschichten erzählen wollen.

Bludenz. (cm) Die Weihnachtszeit ist auch im Kloster St. Peter eine ganz besondere Zeit, in der die fünf Dominikanerinnen alle Hände voll zu tun haben. Eine von ihnen ist Schwester Maria. Sie arbeitet mit Ton und dabei entstehen viele wunderbare Kunstwerke.

Steinwände und Holzregale

Mit Hilfe des Aufzugs geht es in das unterste Stockwerk des Klosters. Über zwei steinerne Stufen betritt man eine gemütliche Werkstatt mit Steinwänden, Regalen aus Holz, einem großen Werktisch und dem Brennofen. Gemütlich ist es hier, der frisch gefüllte Brennofen zeigt über 500 Grad an und sorgt für heimelige Wärme. Wo das Auge hinblickt, kann man als Besucher unzählige wunderbare Gefäße und Figuren entdecken. Jedes Stück ist für sich ein unverwechselbares Unikat. Der härtende Brand gestaltet die Farbgebung der Werkstücke mit und schenkt ihnen dadurch ihre charakteristische Einzigartigkeit.

Manche Figuren bestehen aus mehreren Teilen, liebevoll setzt Schwester Maria „Johannes den Täufer“ aus drei Fragmenten zusammen. „Dieser Moment ist für mich spannend, erst jetzt zeigt sich, wie die Figur wirkt“, erklärt sie. Was auf den ersten Blick als einfaches Objekt erscheint, zieht den Betrachter beim näherem Hinsehen ganz in seinen Bann. Auf dem Regal reihen sich Maria, ein großes Jesuskind und die Heiligen Drei Könige aneinander. Mit dem berührenden Ausdruck in ihren Gesichtern laden sie zum stundenlangen Betrachten ein. „Erst während der Arbeit mit einem Stück Ton kristallisieren sich Form und Eigenart des Objekts heraus“, erzählt Schwester Maria und: „Es ist auch eine Kunst, den Moment zu erkennen, an dem ich mit dem Modellieren aufhören muss, um die Figur selbst wirken zu lassen.“

Vom Vater gelernt

Was Schwester Maria als Kind von ihrem Vater lernte, nämlich das genaue Hinsehen, den Umgang mit bildnerischen Elementen und die Liebe zum Gestalten, wird in den tönernen Objekten wirksam. Jede Figur schenkt dem Betrachter ihre eigene Geschichte, beispielsweise die Hirten, „sie betrachten und staunen über das Wunder, dass Gott wirklich Mensch geworden ist, mit allem was dazugehört. Josef ist ein Hinsehender, der nach dem, was er erkannte, handelte. Maria ist eine junge Frau, die weiß, dass sie alles von Gott geschenkt bekommen hat.“ Für Schwester Maria sind die Arbeiten auch die Gelegenheit, mit ihrer Gabe andere zu beschenken. „Wenn die Betrachter über die Figuren zur Ruhe kommen und sich berühren lassen, dann findet man darin eine Möglichkeit, mit Jesus und dem Vater in Berührung zu kommen.“