Länderübergreifend und so sinnvoll wie berührend

Kultur / 20.12.2016 • 17:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Choreograf Martin Birnbaumer
Choreograf Martin Birnbaumer

Ein Schulprojekt verbindet Vorarlberg mit Süddeutschland und Kinder mit Tanz.

Ravensburg, Hard. (mst) „Die Kunst des Tanzens fühlt sich innerlich gut an“ steht im Programm von „Wild Life“ – der Abschlussvorstellung eines Tanzprojekts der sonderpädagogischen Schule am Wolfsbühl in Wilhelmsdorf bei Ravensburg. Das Zitat stammt von Hocine, einem der zehn Tänzerinnen und Tänzer zwischen acht und elf Jahre, die an diesem Projekt teilnehmen wollten. Zehn Wochen wurde jeweils zwei Stunden lang an Tanzideen gearbeitet, um sie schließlich vor Publikum zu präsentieren. Welches begeistert war von dieser künstlerisch ernstzunehmenden Darstellung.

Das junge Ensemble erarbeitete Moves und Slides, lernte Choreografien, malte Bilder, zeichnete Tanzschritte und erfuhr, was eine Präsentation vorstellungsreif macht. Ein vielschichtiges Spektrum, das Dorothee Dick mit diesem Projekt „Tanz macht Schule“ initiierte. Seit zehn Jahren arbeitet sie mit Kindern, welche Hör- oder Sprachdefizite haben, im Tanz. Unter anderem im Rahmen einer Tanz-AG einmal wöchentlich nach dem Unterricht.

Dass ihre Schülerinnen und Schüler eigenes Bewegungsmaterial entwickeln und sich als Kunstschaffende erleben, ist eine Herzensangelegenheit der Lehrerin für Kunst, die seit etlichen Jahren auch eng mit der Vorarlberger Tanzszene verbunden ist. Bei diesem Projekt gelang es ihr sogar, den Tanz in die Unterrichtszeit zu platzieren. Für eine professionelle Umsetzung holte sie den Vorarlberger Tänzer und Tanzpädagogen Martin Birnbaumer und die Fotografin Anja Köhler ins künstlerische Team. Die knapp halbstündige Präsentation in der voll besetzten Turnhalle war gespickt mit Bewegung auf allen Ebenen, mit Momenten voller Poesie und mit geradezu übersprudelnder Tanzfreude. Einen Unterricht im Sinne von Vor- und Nachmachen gab es im Vorfeld kaum. Die Inspiration zum Tanz kam vielmehr aus Bildern zu Ferienerlebnissen oder aus Meditationen.

Martin Birnbaumer lobte die jungen Menschen für ihre Disziplin und den Einfallsreichtum. Wobei das Projekt einigermaßen holprig begann. „Am Anfang war es ein bisschen schwer, weil nicht alle zugehört haben.“, erklärt die Schülerin Layla. Der Vorarlberger Choreograf wählte einen Kunstgriff: Inspiriert von der Faszination seiner eigenen Söhne für den Abenteurer Austin Stevens und seiner Fähigkeit, sich Schlangen zu nähern, erzählte er den Kindern davon. Der Titel „Wild Life“ und das Thema waren geboren. Im Kunstunterricht ließ Dorothee Dick die Tänzer Schlangen zeichnen, welche wiederum von Anja Köhler zu farbenreichen Grafiken gestaltet und dann zu den Tanzszenen projiziert wurden.

Schlicht imponierend

Die Konzentration der Kinder auf ihren Tanz und das Zusammenspiel von so coolen, energetischen wie auch leisen Sequenzen waren schlicht imponierend. Einen funkelnden Blick ins Publikum gab es bisweilen aber es ging um weit mehr als das Vorführen des Gelernten. Was die Kinder vermittelten, war der Augenblick des Tanzes und eine authentische Körpersprache, die andere erreicht. Ein länderübergreifendes Projekt, das so sinnvoll wie berührend ist, findet hoffentlich viele Nachahmer und wird möglicherweise auch weitergeführt.

Bei Ravensburg entstehen spezielle Kinder-Tanz-Projekte.  FotoS: Anja Köhler
Bei Ravensburg entstehen spezielle Kinder-Tanz-Projekte. FotoS: Anja Köhler