Polizei verstärkt Präsenz auf Adventsmärkten

Spezial / 20.12.2016 • 22:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ludescher beruhigt: Situation im Land ist unverändert.
Ludescher beruhigt: Situation im Land ist unverändert.

Mehr Polizisten auf Märkten und zu Silvester. Situation im Land aber unverändert, sagt der Polizeichef.

Bregenz. Das subjektive Sicherheitsgefühl ist so eine Sache. Es führt dazu, dass im sichersten Bundesland Österreichs – Burgenland – private Sicherheitswachen auf Streife gehen. Es führt dazu, dass die Angst auch in jenen Zeiten größer wird, in denen die wenigsten Verbrechen begangen werden. Es ist ein Gefühl, dadurch mit Vorsicht zu behandeln. Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher gab einen Tag nach dem Attentat in Berlin bekannt, die Polizeipräsenz auf Vorarlbergs Adventsmärkten und öffentlichen Silvesterfeiern zu verstärken. „Wir werden in Uniform auftreten, aber auch in Zivil. Wir wollen, dass sich die Menschen sicherer fühlen. Aber nicht, dass sie wegen der übermäßigen Präsenz verunsichert sind“, erklärt Ludescher. Ihm ist eines besonders wichtig: „Die Bürger können sich weiterhin sicher fühlen, sie sollen weiter auf einen Glühwein gehen. Alles andere wäre falsch und genau das, was die Terroristen wollen.“

Die Vorarlberger Polizei wird jedenfalls an den neuralgischen Punkten zusätzliches Personal bereitstellen. Also etwa in Dornbirn, Feldkirch und Bregenz. Zu Silvester gelte dasselbe, sagt Ludescher: „Einfach dort, wo sich die Leute treffen, zum Beispiel in der Dornbirner Innenstadt.“ Aus der Messestadt heißt es, dass außer dem Kindersilvester am Nachmittag zwar keine Veranstaltung geplant sei. „Aber die Besetzung der Polizeidienststellen wird zu Silvester durch zusätzliches Personal verstärkt werden, sowohl vom Bund als auch von der Stadt“, erläutert Eva Thurnher von der Stadt Dornbirn.

Mitgefühl für die Opfer

Am Dienstagvormittag lud die Landesregierung den Polizeichef zur Regierungssitzung ein, um über den aktuellen Gefährdungsstand zu berichten. Sein Fazit: „Die Einschätzung hat sich im Vergleich zur Situation nach den Paris-Anschlägen nicht verändert.“ Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) widmet sich nach der Regierungssitzung zuerst den Opfern. „Das Land Vorarlberg möchte sein Mitgefühl aussprechen.“ Der Landeshauptmann beruhigt gleichzeitig. Vorarlberg habe sich schon vor einem Jahr entschlossen, die Polizei in die Arbeit der Flüchtlingsorganisationen mit einzubinden.

Wöchentliche Kontrollen in den großen Quartieren und ständiger Kontakt mit Betreuungspersonen hätten dazu geführt, dass mögliche Gefahren sofort erkannt würden. Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler (ÖVP) fügt an: „Polizei und Betreuungseinrichtungen arbeiten von Beginn an auf Augenhöhe.“ Polizeichef Ludescher stellt allerdings klar: „Natürlich haben wir kleinere Delikte festgestellt. Aber im Terrorbereich oder anderen verfassungsdienstlichen Belangen ist noch nie etwas vorgefallen.“ Der Anschlag in Deutschland habe ihn und die gesamte Polizei freilich aufgeschreckt und mache betroffen. „Aber irgendwo kommt das nicht ganz unerwartet“, fügt er an.

Situation unverändert

Auch Ludescher ist froh, dass Vorarlberg präventiv gut gerüstet sei. „Außerdem begegnen sich die Menschen in Vorarlberg nicht so anonym wie in einer Großstadt. Falls etwas in dieser Richtung geschieht, bekommen wir es normalerweise berichtet.“ Die Lage im Land habe sich nicht verändert. Ein Syrien-Rückkehrer steht vor Gericht, gegen einen zweiten wird ermittelt. Außerdem beobachte der Verfassungsschutz weiterhin ein Gebetshaus in Feldkirch, hier habe sich die Situation in den vergangenen Monaten nicht verändert.

Weiters berichtet Landesrat Schwärzler: „Vor drei Wochen haben wir uns mit der Polizei und den Obleuten der Migrantenorganisationen getroffen. Das hat großes Vertrauen geschaffen. Die Polizei ist ab jetzt auch bei Vorstandssitzungen der Vereine dabei.“ Auch in Heimen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) ist die Polizei ab und an zu Besuch. „Wir halten dort sogenannte Normverdeutlichungsgespräche ab“, erzählt Ludescher. Mittels Piktogrammen werden den jungen Flüchtlingen die Gesetze in Vorarlberg nähergebracht. Landeshauptmann Wallner verweist zudem auf die Deradikalisierungsplattform, die eng mit der Jugendarbeit zusammenarbeite.

Wallner berichtet, dass die Polizeipräsenz verstärkt wird.
Wallner berichtet, dass die Polizeipräsenz verstärkt wird.