Angeklagter Straftäter in verdächtiger IS-Pose

Vorarlberg / 21.12.2016 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Beschuldigte beteiligte sich auch an einem versuchten Fahrraddiebstahl mit einer Säge, die der Komplize zur Tatausführung einsetzte.
Der Beschuldigte beteiligte sich auch an einem versuchten Fahrraddiebstahl mit einer Säge, die der Komplize zur Tatausführung einsetzte.

Drohung, Nötigung, versuchter Diebstahl: 16 Monate Haft für Tschetschenen.

Feldkirch. Der junge Mann aus Tschetschenien sitzt seit Ende Juli in der Justizanstalt Feldkirch in Untersuchungshaft. Gegen seine Festnahme hatte er sich damals rüde gewehrt, tobte in der Arrestzelle, beschädigte und verunreinigte sie. Die Liste der Anklagen gegen ihn ist lang.

Kehle aufschlitzen

Der Arbeitslose, dreifacher Vater, hatte seiner Frau gedroht, ihr die Kehle aufzuschlitzen, sollte sie nicht mit ihren Kindern aus dem Haus kommen. Dann das mit dem versuchten Betrug. Mit einem fremden Ausweis trachtete er danach, günstiger oder überhaupt gratis ÖBB-Fahrkarten zu ergattern.

Mit einem Landsmann als Komplizen hatte er versucht, in Dornbirn ein Fahrrad zu stehlen.

Richter Richard Gschwenter interessiert während der Verhandlung am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch aber noch ein weiteres Faktum, nämlich eindeutiges Internetmaterial mit Bildern, auf denen der Angeklagte mit einer Schusswaffe zu sehen ist, und neben ihm Männer, die verdächtig nach IS-Kämpfern aussehen. Auf die Frage des Richters, was er denn vom Islamischen Staat halte und wer die Leute auf den Fotos seien, verneint er eine Verbindung zum IS.

„Und die Männer?“, fragt Geschenter.

„Das sind Freundschaften von mir“, antwortet der Angeklagte.

„Unter der, der da tot neben Ihnen liegt, ist das auch ein Kollege?“ Der Angesprochene wirkt verlegen und sagt: „Dieses Foto habe ich schon gelöscht.“

Ermittlungsstopp

Da wirft der Staatsanwalt ein, dass entsprechende Ermittlungen gegen den Beschuldigten wegen Mitwirkung an einer terroristischen Vereinigung eingestellt worden seien. Bezüglich der anderen Anklagepunkte wird der junge Mann schuldig gesprochen und zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt.

Mit einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro kommt sein Landsmann und Komplize davon. Eben der Tschetschene, der in Dornbirn gemeinsam mit dem Angeklagten versucht hatte, ein Fahrradschloss aufzusägen. Auch er ist Vater, arbeits- und vermögenslos, lebt vom Geld des AMS und ist zudem mit 500 Euro Schulden belastet, eine behördliche Strafe wegen des Entsorgens von „falschem Müll“, wie er behauptet. „500 Euro wegen falschem Müll? Da werden Sie wohl noch etwas anderes weggeworfen haben“, bemerkt der Richter.