Cézanne lieben gelernt

Menschen / 21.12.2016 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Guillaume Gallienne kämpfte um die Rolle als Cézanne. Foto: AP
Guillaume Gallienne kämpfte um die Rolle als Cézanne. Foto: AP

Schauspieler Guillaume Gallienne über Snobs, die Malerei und was Schokolade mit Liebe zu tun hat.

Schwarzach. (lh) Regisseurin Danièle Thompson erzählt in „Meine Zeit mit Cézanne“ die Geschichte der Freundschaft zwischen den beiden Genies Paul Cézanne und Émile Zola. Es war eine Freundschaft mit höchsten Höhen und tiefsten Tiefen. Guillaume Gallienne von der Comédie Francaise verkörpert nun im Film den großen Maler.

Eigentlich war es umgekehrt vorgesehen. Kollege Guillaume Canet sollte Cézanne spielen und Sie Zola?

Gallienne: Mir war von Anfang an klar, dass ich Cézanne sein musste.

Warum?

Gallienne: Weil ich mich total in diesen Charakter verliebte und in seine Gefühlswelt eindringen konnte. Für mich war er manisch-depressiv. Und ich verstand seinen Zorn, seine Frustration, seine oft schlechte Laune, seine wachsende Menschenfeindlichkeit, aber ebenso seine Geradlinigkeit, seine Ehrlichkeit – und seinen Glauben an sich selbst. All das trage ich auch in mir. Vielleicht war er manchmal auch ein Snob. Ich liebe Snobs, weil sie so authentisch sind.

Wie hat Autorin und Regisseurin Danièle Thompson auf Ihren Wunsch reagiert?

Gallienne: Erst hat sie nur gesagt: „Du willst also Cézanne spielen? Wirklich?“ Dann hat sie wohl reflektiert, und nach einigen Meetings stellte sie dann fest, dass ich Cézannes Gang und plötzlich auch eine andere Stimme angenommen hatte. Dann meinte sie nur: „Ja, du kannst wirklich alles spielen. Also auch Cézanne!“

Im Film müssen Sie ja auch so tun, als ob Sie malen würden. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Gallienne: Regisseurin Danièle Thompson brachte mich mit einem Maler aus Marseille zusammen, der mir das Nötigste zeigte. Dann brachte er mir die Evolution in Cézannes Schaffen bei, ich begann, seine ganze Entwicklung zu verstehen. Ich mochte seine Arbeiten vor diesem Film nicht unbedingt. Aber nachdem ich begriffen hatte, begann ich sie zu lieben. Die Vorbereitungen dauerten zehn Monate. Mein Sinn für die Schönheit von Cézannes Schaffen entwickelte sich durch die Rolle.

Sie sind heute auch Schauspiel-Lehrer. Wie unterrichten Sie?

Gallienne: Ich versuche, Liebe zu unterrichten. Denn: Mir fehlt sie in unserer heutigen Welt zu sehr. Wo sehen Sie heute noch Pärchen Hand in Hand spazieren gehen? Und wenn ich junge Menschen so zwischen 20 und 26 befrage: „Warst du schon einmal verliebt?“, antworten sie meist mit „nein“.

Was machen Sie dagegen?

Gallienne: Ich frage sie, ob ich ihnen Schokolade anbieten darf. Denn Schokolade liebt ja fast jeder. Somit wäre das ein erster Schritt zur Liebe. . .