„Ich bin und bleibe ein Roter – bis ins Grab“

Vorarlberg / 21.12.2016 • 20:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Genosse Anton Dona hat sein Parteibüchlein hervorgeholt: „Früher klebte man noch Jahresmarken hinein.“  Foto: hrj
Genosse Anton Dona hat sein Parteibüchlein hervorgeholt: „Früher klebte man noch Jahresmarken hinein.“ Foto: hrj

Anton Dona glaubt an die Sozialdemokratie, aber nicht an ein Leben nach dem Tod.

Heidi Rinke-Jarosch

schlins. Einmal nach Amerika reisen – das ist Anton Donas Traum. Nicht allein natürlich, sondern „mit einer hübschen jungen Dolmetscherin, die gut Englisch kann“. Obwohl er mit 92 Jahren noch recht rüstig ist, „sind die Aussichten, eine solche Reise noch erleben zu können, äußerst gering. Das bleibt wohl nur ein Traum“, sagt er ein bisschen wehmütig.

Die Familie Dona stammt ursprünglich aus Südtirol. Die Eltern von Antons Vater übersiedelten in den 1880er-Jahren nach Vorarlberg. Sein Großvater arbeitete am Arlbergbahnbau. „Ich wurde in einer schlechten Zeit geboren“, erzählt Anton. 1924 war das, in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Österreicher aufgrund der wirtschaftlich schlechten Lage große Not litten.

Beide rückten ein

Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Anton 15. Drei Jahre später, im Dezember 1942, wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Kurz zuvor hatte er Luise kennengelernt. Auch sie musste einrücken. Während Anton im ehemaligen Jugoslawien an der Front kämpfte, leistete Luise in Tirol Reichsarbeitsdienst. „Im Jänner 1945 haben wir uns hier in Schlins wiedergesehen“, erinnert er sich. Der erste Sohn wurde im Oktober 1945 geboren. Geheiratet hat das Paar 1946. In den Jahren darauf kamen eine Tochter und zwei weitere Söhne zur Welt. Gearbeitet hat Anton bis 1968 in der einheimischen Textilwirtschaft, danach in Liechtenstein. Seit 1990 ist er pensioniert.  

Seit 60 Jahren ist er aktives Mitglied der SPÖ. Zwischenzeitlich leitete er zwei Jahre lang die Ortsgruppe Schlins als Obmann. Innerhalb der vergangenen sechs Jahrzehnte habe sich viel in der Partei verändert: „Immer mehr meinen, das ist nicht mehr die Arbeiterpartei von früher.“ Das komme daher, dass zu viele junge Leute kein Interesse an der Politik hätten und nicht wählen gingen. Anton zufolge müsste die Wahlpflicht wieder eingeführt werden. Er ist davon überzeugt, dass es ganz anders aussähe, würden mehr Junge zu den Wahlen gehen und dadurch demokratisch mitentscheiden.

Dass junge Leute mit H.C. Strache sympathisieren, sei zwar bedenklich, aber es leuchte ihm ein: „Der Strache macht mit ihnen eine Gaudi. Und viele finden seine aggressiv-resolute Art attraktiv.“ So etwas habe es schon einmal gegeben, warnt Anton. „Ich habe es selbst erlebt. Was für ein Elend kam damals heraus!“

An der heutigen Politik stört ihn gewaltig, „dass es extrem hohe Renten gibt. Diese Luxuspensionen – und auch die hohen staatlichen Abfertigungen – gehören sofort abgeschafft.“ Das werde aber nicht so bald geschehen, fügt er resignierend hinzu, „denn damit würden sich ja alle Politiker, gleich welcher Partei, ins eigene Fleisch schneiden“. Auch wenn er es sich nicht nehmen lasse, Kritik zu üben, bleibe er der Partei treu: „Ich bin und bleibe ein Roter – bis ins Grab.“

„Großer Schmarren“

Seit dem Tod seiner Frau Luise – sie starb im März 2010 – lebt Anton allein in dem Einfamilienhaus an der Schlinser Hauptstraße. „Sie fehlt mir sehr, die Luise“, bekennt er. Froh ist er darüber, dass ihn seine Tochter regelmäßig besucht und die 18-jährige Enkelin oft bei ihm auftaucht.

Anton ist katholisch, glaubt aber weder an Jesus‘ Geburt drei Wochen nach Maria Empfängnis noch daran, „dass die schöne Zeit erst nach dem Tod kommt und ich dann meine Frau wieder treffe. Das alles ist ein großer Schmarren“. Ein Wiedersehen mit Luise wäre schon schön, räumt er ein. „Aber das passiert nicht. Es gibt kein Leben nach dem Tod.“

Bis es für ihn selber Zeit sei, zu gehen, werde er jeden Moment seines Lebens auskosten. Da ist neben der Partei auch noch der Trachtenverein, dem er seit einer Ewigkeit angehört – er ist Träger des Goldenen Trachtenvereinsabzeichens. „Und ich möchte noch lange als „d’r Örgalar-Toni“ mit meiner Harmonika musizieren.“

Aber das passiert nicht. Es gibt kein Leben nach dem Tod.

Anton Dona

Zur Person

Anto Dona

Geboren: 2. Dezember 1924 in Gais

Wohnort: Schlins

Laufbahn: Arbeiter in der Textilwirtschaft und bei Hilti, Pensionist

Familie: Witwer, Vater von drei Söhnen und einer Tochter, 5 Enkelkinder, 3 Urenkel

Die Geschichte eines weiteren „Menschen von nebenan“ lesen Sie nächste Woche in den VN.