Weihrauch, Myrrhe und ungeliebtes Hüftgold

Gesund / 22.12.2016 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ernährungswissenschaftlerin Angelika Stöckler erklärt, wie es sich gut feiern lässt.

Lauterach. Auch dieses Jahr werden vor den Feiertagen wieder üppig beladene Einkaufswagen zur Kassa geschoben. Und ich frage mich einmal mehr, wer denn all das wohl essen und trinken soll. Klar, über die Feiertage soll es uns an nichts fehlen. An dieser Einstellung hat sich in unseren Köpfen in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert. Maßgeblich verändert hat sich dagegen die vorweihnachtliche Zeit. Zwischen Glühweinständen, Keksen, Lebkuchen, Einkaufshektik und Weihnachtsfeiern ist von Besinnlichkeit und stiller Erwartung wenig zu spüren. Ganz im Gegenteil. In all dem Überfluss bekommen viele schon genug von ihren Weihnachtskeksen, die in tagelanger Arbeit mit viel Liebe gebacken wurden. Manche behaupten sogar, ab dem 24. Dezember keine Kekse mehr sehen und riechen zu können! Und alle Jahre wieder wird es laut, das Gejammer um überflüssige Kilos, die sich offenbar zwischen Weihnachten und Dreikönig ansammeln. Da uns weder das Christkind noch die Heiligen Drei Könige Hüftgold bringen, können sie uns leider auch nicht davor bewahren. Das müssen wir schon selbst bewerkstelligen.

Einsatz aller Sinne

Achtsamkeit ist in diesem Zusammenhang ein viel zitierter Begriff. Wer achtsam isst, kann feiern ohne zu völlern und ohne einschränkenden Verzicht einer unliebsamen Gewichtszunahme vorbeugen. Denken Sie einfach daran, wunderbare Genusserlebnisse hängen weniger von der verzehrten Menge, sondern vielmehr von der bewussten Wahrnehmung von feinen Speisen und Getränken ab. Und diese Wahrnehmung erfordert den Einsatz aller Sinne. Außerdem braucht sie Zeit. Im Vorbeigehen fünf Vanillekipferl und drei Zimt­sterne in den Mund zu stecken geht gar nicht. Denn kaum geschluckt, ist der Genuss auch schon vorbei!

Achtsamkeit üben

Die Weihnachtszeit eignet sich hervorragend, um Achtsamkeit zu üben, sich dabei wunderbar zu entspannen und nebenbei einer Gewichtszunahme vorzubeugen. Probieren Sie doch bei Speisen und Getränken, die Sie besonders mögen und von denen Sie mitunter zu viel verzehren, folgendes aus:

» Setzen Sie sich zum Essen immer gemütlich an einen Tisch und essen Sie nur, wenn Sie auch Zeit haben.

» Vermeiden Sie alle Nebenbeschäftigungen, außer natürlich angenehme Tischgespräche.

» Betrachten Sie alles, was Sie essen genau. Vielleicht können Sie in Gedanken wertschätzen, mit wie viel Aufwand und Liebe das Essen zubereitet wurde.

» Versuchen Sie den Geruch wahrzunehmen, bevor Sie das Essen in den Mund stecken.

» Überlegen Sie beim Verzehr, ob Sie unterschiedliche Geschmacksnuancen wahrnehmen können. Eventuell lassen sich diese auch mit angenehmen Erinnerungen an die Kindheit, an Urlaube und anderes verbinden.

» Lassen Sie sich einen Moment Zeit, bevor Sie den nächsten Bissen in den Mund stecken.

Wer auf diese Weise bewusst genießt, isst und trinkt automatisch langsamer und kann die Bemühungen der Gastgeber wertschätzen, ohne mehrere Portionen zu verzehren oder sich ständig nachschenken zu lassen. Außerdem können Sättigungssignale des Körpers besser wahrgenommen und unangenehmes Völlegefühl vermieden werden. Nutzen Sie die weihnachtliche Stimmung und gehen Sie beim Essen und Trinken achtsam vor. Kombiniert mit Bewegung, müssen Sie sich dann sicher nicht vor dem Hüftgold zu Dreikönig fürchten.