Abschied von einem großen Meister des Cellos

Kultur / 23.12.2016 • 20:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schiff war prominenter Unterstützer der 4-Länder-Jugendphilharmonie, die Christoph Eberle in diesem Jahr gegründet hat. Foto: basta
Schiff war prominenter Unterstützer der 4-Länder-Jugendphilharmonie, die Christoph Eberle in diesem Jahr gegründet hat. Foto: basta

Einer der legendärsten Cellisten Österreichs, Heinrich Schiff, ist 65-jährig gestorben.

Wien. (VN) Einer der großen Cellisten Österreichs hat sich kurz vor dem Heiligen Abend für immer verabschiedet: Heinrich Schiff verstarb im Alter von 65 Jahren in der Nacht auf den 23. Dezember in einem Wiener Spital. Dabei hatte der gebürtige Gmundner schon vor Jahren einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften, musste er seine Solistenkarriere doch aufgrund gesundheitlicher Probleme 2012 beenden.

Konservatorium Bregenz

Heinrich Schiff war Gründungsmitglied des Konservatoriums Bregenz und dort auch als Professor tätig. Der begnadete Cellist gastierte mehrmals bei der Schubertiade, dirigierte das Symphonieorchester Vorarlberg und trat mit dem Orchester unter Christoph Eberle auch als Solist auf. Schiff war außerdem prominenter Unterstützer der 4-Länder-Jugendphilharmonie, die Eberle in diesem Jahr gegründet hat.

Geboren wurde Schiff am 18. November 1951 im oberösterreichischen Gmunden, wobei ihm das Leben als Musiker förmlich in die Wiege gelegt wurde: Sowohl Papa Helmut Schiff als auch Mama Helga Riemann waren als Komponisten tätig. Im Alter von zehn Jahren nahm Schiff dann in Linz Violoncello­unterricht. Weitere Stationen der Ausbildung wurden Wien und Detmold, bis der junge Musiker 1971 sein Debüt auf der großen Konzertbühne feierte. Dabei hatte Schiff mit Mara stets eine alte Dame an der Seite – genauer gesagt eine 300 Jahre alte Dame: Der Solist spielte auf dem Cello Mara von Antonio Stradivari, das 1711 gebaut wurde. Hinzu kam „The Sleeping Beauty“ von Montagnana aus 1739. Mit ihnen legte Schiff den Grundstein für eine Erfolgskarriere auf den großen Bühnen der Welt.

Auch spielte Schiff nahezu sämtliche bedeutenden Cellowerke der Musikliteratur ein – von Vivaldi über Haydn bis Bach und Lutoslawski. Mit den Wiener Philharmonikern unter André Previn nahm er Dvořáks Cellokonzert auf, mit den Berliner Philharmonikern unter Bernard Haitink Schumann. Im Jahr 2000 erntete seine Gesamtaufnahme von Beethovens Werken für Cello und Klavier Aufsehen, die er mit Till Fellner vorlegte. Darüber hinaus war Schiff aber auch stets ein großer Apologet der zeitgenössischen Musik. Zahlreiche Komponisten verfassten eigens für den Cellovirtuosen Werke, darunter hochkarätige Namen wie Hans Werner Henze, Wolfgang Rihm oder Friedrich Gulda. 2006 brachte Schiff etwa bei den Salzburger Festspielen Johannes Maria Stauds „Segue“ mit den Wiener Philharmonikern unter Daniel Barenboim zur Aufführung, im Jahr zuvor beging er die Uraufführung von Otto M. Zykans „Beethovens Cello“ mit Zubin Mehta am Pult des Orchesters.

Ende der Solokarriere

Aufgrund gesundheitlicher Probleme sah sich Schiff 2012 dazu gezwungen, seine Solistenkarriere beenden zu müssen. Erhalten blieb ihm sein zweites musikalisches Standbein, das Dirigieren. Seit den frühen 90ern erschloss sich der Künstler sukzessive das Pult und stand bei Konzerten alsbald renommierten Formationen wie den Los Angeles Philharmonic, dem Orchestre de Paris oder der Sächsischen Staatskapelle Dresden vor. Hinzu kam Schiffs Einsatz als Lehrer, unter anderem an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln sowie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Und schließlich leitete er bis 2009 die Musiktage Mondsee.