Damit es anders anfängt zwischen uns allen . . .

Vorarlberg / 23.12.2016 • 16:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Diese Zeile stammt aus dem Gedicht „Abel steh auf“ der Dichterin Hilde Domin und ich möchte sie als Ermutigung für die heutigen „Weihnachtsgedanken“ nehmen.

Weihnachten in dieser Zeit

des Unfriedens, des Terrors – wie wir dieser Tage auch in unserem Nachbarland schmerzlich erleben –, der Flüchtlingsströme, und in einer Zeit, die im Durcheinander von Information, Konsum und Korruption zu ersticken droht, in einer Zeit des Populismus und der Nationalismen, aber auch in einer Zeit der Hilfsbereitschaft – Weihnachten in dieser Zeit ist eine Herausforderung.

Weihnachten in jeder Zeit

zeigt uns aber die verändernde Kraft der Begegnung zwischen Menschen und zwischen Mensch und Gott. Es fordert uns das Äußerste ab: das schutzlose Menschsein.

In allen Beziehungen und Verhältnissen – ob zwischen Natur und Mensch, zwischen Mann und Frau, Kind und Erwachsenem, zwischen Einheimischen und Fremden, zwischen Gesunden und Kranken, zwischen Gläubigen und Ungläubigen – in allen Beziehungen und Verhältnissen wird durch die Botschaft der Weihnacht das Schweigen gebrochen, damit Begegnung geschieht. Eine radikale Anfrage an unsere Gesellschaft, an unseren Lebens- und daher auch Glaubensstil. Das Revolutionäre der Weihnachtsbotschaft: auf Augenhöhe zu kommen und miteinander zu kommunizieren, die spannende Einheit von Gott, Welt, Mensch. Aufeinander bezogen sein, zueinander gehören, füreinander da sein, das verbindet Gott und Menschen.

Weihnachten in unserer Zeit,

die ihren Stern zu verlieren droht, fordert Prophetinnen und Propheten, fordert Weise und Mutige. Sie müssen nicht laut sein, sie müssen gar nicht viel reden. Sie müssen vor allem hinsehen und wahrnehmen. Sie werden das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden.

Sie sehen, wie Berge sich senken und Täler sich heben. Was groß tut, wird klein, und das Unbekannte tritt plötzlich hervor und offenbart, dass es anders anfängt zwischen uns allen.

Prophetin und Prophet könnte jede Frau und jeder Mann sein, die mit dem unmöglich Scheinenden, mit Veränderungen rechnen und damit, dass dies im Alltäglichen Gestalt annehmen kann: am Beginn einer alternativen Arbeitsverteilung, am Beginn des Gesprächs zwischen Verfeindeten, am Beginn der Gleichstellung von Frau und Mann, am Beginn gleicher Chancen für jede und jeden, am Beginn … steht die Änderung in unseren Herzen und Köpfen, steht das Staunen über die Fülle, aus der wir schöpfen können. Danken wir dafür, dass wir (noch) in einem friedlichen Land leben. Man muss nur die Zeitung aufschlagen und den Fernseher einschalten, um zu wissen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist!

Ein seltsamer Kontrast – eine gesellschaftspolitische Botschaft

liegt über dem Weihnachtsevangelium (Lk 2,,1-14): auf der einen Seite das kleine hilflose Kind im abgelegenen Bethlehem, auf der anderen Seite der mächtige Kaiser Augustus in Rom, Herrscher des römischen Weltreiches vom heutigen Frankreich bis in den Nahen Osten – etwas scheinbar völlig Bedeutungsloses und die große Welt, die den Ton angibt. Es sind zwei Welten, die nicht einfach neutral nebeneinande stehen, sondern die Mächtigen trachten dem Schwachen nach dem Leben, da sie ihre äußere Macht durch eine innere Kraft, die offenbar von dem Kleinen ausgeht, hinterfragt fühlen. Herodes in seiner Gigantomanie, der Vertreter des Kaisers Augustus, versuchte deshalb, das Kind zu töten. Man könnte einen solchen Kontrast mit verschiedenen heutigen Beispielen durchspielen. Die Ereignisse der letzten Tage und Monate – positive und negative – haben die Notwendigkeit der Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden deutlicher vermittelt als viele geschmückte Wohnungen. Denn es kann und möge neu und heiler anfangen zwischen uns allen.

Dr. Karoline Artner, Werk der Frohbotschaft Batschuns