Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Digitale Dividende für jeden

Markt / 23.12.2016 • 22:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Weg vom Faustkeil bis zur Dampflok war lang. Die nunmehrige Entwicklung zum Internet aller Dinge ist weitaus kürzer. So wie einst die Sprache, die Schrift oder der Buchdruck wird auch die digitale Revolution alle unsere Lebensbereiche erfassen: in der Landwirtschaft, in der Produktion, den Haushalten, im Banken- und Dienstleistungssektor bis hin zur Medizin und Altenpflege. Schon jetzt ist dies mit dem Mobiltelefon und den sozialen Medien gegeben.

 

Der digitale Wandel eröffnet durch die Vernetzung mit Big Data, durch Algorithmen, Roboterisierung, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen große Möglichkeiten und Chancen. Er ist der Schlüssel für wirtschaftliche Prosperität, aber auch für die Lösung der anstehenden Probleme der Menschheit und die Versorgung der Weltbevölkerung, die bis 2050 auf zehn Milliarden Menschen ansteigen wird.

 

Der „homo sapiens“ wird zum „homo technicus“. Die damit verbundenen Veränderungen lösen wie alle einschneidenden Wandlungsprozesse auch Ängste aus. Vor allem dann, wenn es an Perspektiven und Orientierung zur Gestaltung der Zukunft und damit an Halt fehlt. Grundlegende Umwälzungen sind immer auch mit Gefahren verbunden. Im Bereich Sicherheit sind wir bereits in vielfältiger Weise mit Cyber-Kriminalität konfrontiert.

All diese Entwicklungen verdeutlichen, wie dringend notwendig es ist, sich auf die neuen Gegebenheiten und die epochalen Veränderungen bestmöglich einzustellen. Daher ist eine intensive Auseinandersetzung mit den mit der Digitalisierung einhergehenden ethischen, rechtlichen und sozialen Problemstellungen ebenso notwendig wie mit den zu erwartenden Folgewirkungen für Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Vor allem das Bildungswesen muss den neuen Anforderungen Rechnung tragen, um digitalen Analphabetismus zu verhindern.

Um die neue technologische Welle bestens nutzen zu können, brauchen wir eine digitale Agenda mit einer entsprechenden Roadmap. Ziel muss ein europäischer digitaler Binnenmarkt mit entsprechender digitaler Infrastruktur sein. Daher ist der rasche Ausbau des Breitbandnetzes dringlich erforderlich. Ebenso aber auch Cyber-Security und Cyber-Defence zur Abwehr von Cyber-Crime und Cyber-War.

 

Es wird nicht nur eine Industrie 4.0., sondern damit auch eine Arbeitswelt 4.0. geben – und beides wird eine Bildung 4.0 erfordern. Die sich dabei eröffnenden Chancen sind groß. Nicht alle werden zu den Gewinnern zählen. Damit beim raschen technologischen Digitalisierungswandel kein gesellschaftlicher Spaltpilz entsteht, ist in der Phase des Übergangs ein zeitlich begrenztes Grundeinkommen durch Einhebung einer Technologie-Dividende sinnvoll, um sich umstellen zu können. Niemand darf abstürzen oder zurückbleiben. Ziel jedes Einzelnen muss aber sein, sich durch eigene Anstrengungen auf der Gewinnerstraße zu positionieren.

Der ,,homo sapiens“ wird nun zum ,,homo technicus“.

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Dr. Hannes Androsch ist Finanzminister i. R. und Unternehmer.