Heilige Nacht auf der A 14

Wetter / 23.12.2016 • 18:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heute Abend nicht am Gabentisch, sondern auf der Autobahn: Der 38-jährige Asfinag-Streckendienstfahrer Thomas Wüstner.  VN/Sohm
Heute Abend nicht am Gabentisch, sondern auf der Autobahn: Der 38-jährige Asfinag-Streckendienstfahrer Thomas Wüstner. VN/Sohm

Heute, Heiligabend, verrichtet Familienvater Thomas Wüstner allein den Streckendienst auf der Autobahn.

Hohenems. (VN-gs) Eine schöne Bescherung: Während andere im Kreise der Familie das Fest der Liebe feiern, beschränkt sich die Romantik für den 38-jährigen Asfinag-Mitarbeiter Thomas Wüstner auf die Einsamkeit, die an diesem festlichen Abend und in der Nacht auf der Rheintalautobahn herrscht. Denn auch am Heiligen Abend muss auf der A 14 nach dem Rechten gesehen werden.

Keine neue Erfahrung

Bevor es um 13.30 Uhr zum Dienst geht, isst der Hohen­emser mit seinen Lieben zu Mittag. „Ich habe eine Familie mit einer Tochter. Das richtige, gemeinsame Fest holen wir dann in den nächsten Tagen nach“, sagt der 38-Jährige, für den seine heutige Verpflichtung kein Problem ist. „So gesehen ist es für mich ein Tag wie jeder andere. Außerdem ist der Dienst an Heiligabend keine neue Erfahrung für mich, da hat es mich schon drei Mal getroffen“, erinnert sich Thomas Wüstner an seine mittlerweile elfjährige Berufserfahrung bei der Autobahn- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft, kurz Asfinag. „Und so übel ist das gar nicht, denn der Dienst am Heiligen Abend verspricht aus Erfahrung ruhig zu werden. Und so ist es mir auch lieber.“ Bis 22 Uhr steht der aktive Streckendienst auf dem Plan – vorausgesetzt, dass kein unvorhergesehenes Ereignis eintritt. Und danach Rufbereitschaft bis 1.30 Uhr.

Freilaufender Hund

Aber natürlich, auch Weihnachten ist keine Garantie für einen friedvollen Ablauf im Verkehrsgeschehen, auch nicht auf der Autobahn. Da kommen Thomas nicht wenige prägnante Ereignisse in den Sinn, die in seinem Gedächtnis bleiben. „Das schrecklichste Erlebnis war der tödliche Unfall vor wenigen Wochen in Feldkirch.“ Denn Streckendienst bedeutet nicht nur die Pflege und Instandhaltung der Autobahnparkplätze, das Beseitigen toter Tiere auf der Fahrbahn oder das Reinigen der Hinweisschilder, sondern auch die Absicherung von Unfallstellen und Aufräumarbeiten. Das ist oft mit Gefahr für die Asfinag-Mitarbeiter selbst verbunden, da man sich zu Fuß in einer stark von Verkehr frequentierten Zone bewegen muss. „Einmal musste ich einem Hund nachrennen, der mitten auf der Autobahn frei herumgelaufen ist“, erzählt der Hohen­emser, „und zwar so lange, bis er von selbst die Fahrbahn verließ und sich im Gebüsch verkrümelte. Aber mit einer Portion Hausverstand übersteht man riskante Situationen.“ Auch heute wird der 38-Jährige seinen Dienst tun, mit offenen Augen auf der Strecke – und mit den Gedanken bei der Familie.

Mit einer Portion Hausverstand überlebt man riskante Situationen.

Thomas Wüstner

Zur Person

Thomas Wüstner

seit elf Jahren im Asfinag-Streckendienst

Geboren: 1. März 1978

Ausbildung: Schlosser

Familie: in Lebensgemeinschaft, eine Tochter