Weihnachten im Buschkrankenhaus

Vorarlberg / 23.12.2016 • 18:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Selfie für die Daheimgebliebenen aus dem OP (v. l.): Sarah Sprenger, Juliane Baier und Michael Baier. Foto: Baier
Ein Selfie für die Daheimgebliebenen aus dem OP (v. l.): Sarah Sprenger, Juliane Baier und Michael Baier. Foto: Baier

Zwei Turnusärzte aus dem LKH Bludenz sind bei Russ-Preis-Trägerin Elisabeth Neier im Einsatz.

Bludenz. (VN-mm) Tobias Sprenger wird Weihnachten im Krankenhaus verbringen, freiwillig. Aber in einem, dem es an nichts fehlt. Im Vergleich zu seiner Frau Sarah befindet er sich mit dem Landeskrankenhaus Bludenz als Dienstort in der Komfortzone. Denn Sarah muss mit ganz anderen Widrigkeiten umgehen. Die junge Turnusärztin hilft derzeit im Buschspital von Russ-Preis-Trägerin Elisabeth Neier. Seit Oktober sind sie und ihr Kollege Michael Baier in Kamerun. Bis vor Kurzem war auch Juliane Baier mit dabei. Die angehende Gynäkologin hat ihren Einsatz zwischenzeitlich aber beendet. Sarah Sprenger und Michael Baier wollen bis 24. Jänner 2017 bleiben.

Die drei Turnusärzte aus dem Landeskrankenhaus Bludenz waren gespannt darauf, was sie in Ngaubela erwartet. Die Ernüchterung kam schnell. „Die täglichen Herausforderungen und die Lebensumstände bringen sie zeitweise an ihre Grenzen“, weiß Tobias Sprenger aus Nachrichten seiner Frau. Auch weil die Mittel zur Soforthilfe sehr begrenzt sind. „Es fehlt am Notwendigsten: Materialien wie Handschuhe, Gummibänder, elektronische Fieberthermometer, manuelle Blutdruckmessgeräte oder Stauschläuche sind Mangelware“, erzählt er. So werden etwa Verbände aus geschnittenen Leinentüchern gebastelt, die weder elastisch noch steril sind.

Deshalb hat man sich im LKH Bludenz spontan entschlossen mitzuhelfen. Jetzt steht im Restaurant eine Spendenbox, deren Inhalt „von Mitarbeitern für Mitarbeiter“ gedacht ist. „Wir sammeln auch Sachspenden für Operationen und Behandlungen“, berichtet Tobias Sprenger beispielsweise von gebrauchten Krücken, die so eine Wiederverwendung finden. Ein Notarzt stellte sogar seinen Notfallrucksack für Kamerun zur Verfügung.

Einblicke in eine andere Welt

Die Motive, an diesem Hilfsprojekt teilzunehmen, sind sehr unterschiedlich. Michael Baier fand am Medizinstudium bzw. einem Beruf im Gesundheitswesen toll, dass man sein erlerntes Wissen praktisch auf der ganzen Welt brauchen kann und sich sein Beruf gut mit seinem großen Hobby, dem Reisen, verbinden lässt. „Es war immer schon mein Traum, die erlernten Fähigkeiten in einem ärmeren Land einzusetzen und auch zu erweitern. Nachdem ich Elisabeth Neier in Bludenz kennengelernt hatte, wusste ich, dass das der Ort ist, wo ich den ersten Versuch wagen wollte“, schildert er seinen Zugang. Bis jetzt wurde er zwar nicht enttäuscht, ist jedoch etwas ernüchtert: „Mit wenigen Ressourcen arbeiten zu müssen, ist nicht immer heldenhaft, sondern meistens anstrengend, kompliziert, und man kann und muss sich komplett neue Fähigkeiten aneignen, um hier vorwärtszukommen“, hat Michael Baier festgestellt.

Sarah Sprenger wollte bereits vor dem Studium zumindest einmal einen kleinen Einblick in die medizinische Welt in Afrika bekommen. „Ich möchte die wichtigsten tropenmedizinischen Erkrankungen sehen und kennenlernen, ich möchte ohne große Diagnostik Krankheiten erkennen und diese dann auch mit den vor Ort vorhandenen, sehr oft begrenzten Möglichkeiten behandeln lernen“, erläutert sie ihre Intentionen. Ihr eigentliches berufliches Ziel ist die Allgemeinmedizin.

Übrigens hat auch Elisabeth Neier die Turnusärzteausbildung im Landeskrankenhaus Bludenz absolviert.

Spendenkonto:
„Next Stop: Cameroon“:
IBAN: AT26 2060 7032 0423 4979