Ländle-Kickerinnen erobern Schweiz

Sport / 26.12.2016 • 20:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Groß aufgetrumpft hatten Sabrina Horvat (Nummer sieben) und Co. im Oktober beim Spiel in Staad, das mit 6:1 gewonnen wurde. Hepberger
Groß aufgetrumpft hatten Sabrina Horvat (Nummer sieben) und Co. im Oktober beim Spiel in Staad, das mit 6:1 gewonnen wurde. Hepberger

Sabrina Horvat und Hannah Oberdorfer haben sich in der Nationalliga A durchgesetzt.

Basel, Staad. Die zweite Bundesliga in Österreich war ihnen nicht gut genug. Deshalb kam für beide Vorarlbergerinnen nur ein Wechsel in die Schweiz infrage. Die Höchsterin Sabrina Horvat wechselte bereits im Sommer 2012 über die Grenze und setzte beim FC Staad ihre Laufbahn als Fußballerin fort. Beim FC Höchst fühlte sie sich nicht mehr gefordert, und ein Wechsel zu Vorderland oder Rankweil wurde von ihr wegen des Fahrtweges nicht ins Auge gefasst. Der Bodenseeklub, der praktisch direkt neben dem Flughafen Altenrhein liegt, war für vier Jahre die Heimat der nun 19-jährigen Unterländerin. „Staad ist meiner Meinung nach gerade für junge Spielerinnen der beste Verein in der Umgebung“, sagt Horvat rückblickend.

In Basel durchgesetzt

Diese Einschätzung kann die Rankweilerin Hannah Oberdorfer bestätigen, die im Sommer 2015 denselben Schritt gewagt hat. „Ich konnte mich beim FC Staad sehr gut weiterentwickeln und habe viel gelernt“, sagt die 17-Jährige, die zuvor in Brederis und Rankweil gespielt hat. Sie konnte sich sehr schnell in der 1. Mannschaft etablieren und sich einen Stammplatz in der Innen- bzw. Außenverteidigung erarbeiten.

Während die Oberländerin auch im Frühjahr beim Bodenseeklub kickt, hat die Unterländerin bereits im vergangenen Sommer den nächsten Schritt gesetzt. Nun spielt sie beim großen FC Basel. Wobei der FC Basel im Frauenfußball den Männern in Sachen Erfolge noch nicht Paroli bieten kann. Bislang einziger Erfolg war der Cupsieg vor zwei Jahren.

„Ich war in Staad an einem Punkt angelangt, an dem ich mich nicht mehr wie gewünscht weiterentwickeln konnte“, erzählt die Außenläuferin über ihre Beweggründe für den Wechsel. In Basel war sie nur kurz nach dem Transfer bereits in der Startelf gesetzt. In nur einem der 13 Pflichtspiele fehlte sie verletzungsbedingt, ansonsten stand sie im Schnitt 75 Minuten auf dem Platz. „Es ist auf jeden Fall deutlich besser gelaufen, als ich es mir jemals vorgestellt habe“, blickt sie auf das vergangene halbe Jahr zurück.

Auf der sicheren Seite

Mit ihrem Talent konnte die 19-Jährige auch die Verantwortlichen des ÖFB auf sich aufmerksam machen. Im Mai 2015 wurde sie das erste Mal ins U-19-Frauen-Nationalteam einberufen und konnte dort bereits mehrere Teileinsätze absolvieren. Nachdem sie altersmäßig nicht mehr für die U-19 spielen kann, hofft die Höchsterin auf Einsätze im A-Nationalteam. Diesen Sprung hat sie bislang noch nicht geschafft. Mit ein Grund ist laut ihr auch der Fokus des ÖFB: „Die Verantwortlichen schauen gar nicht auf die Spielerinnen in der Schweiz. Da gilt die Konzentration jenen Spielerinnen, die in Deutschland oder Österreich spielen. Dabei wechseln doch gerade viele wegen des Niveaus ins Ausland“, führt Horvat aus. Aufgeben tut sie das Thema Nationalmannschaft dennoch nicht. Auch wenn bei ihr bereits der kroatische Verband angeklopft hat. Da ihre Eltern kroatische Wurzeln haben, hätte sie auch die Möglichkeit, für den Balkanstaat zu kicken. „An erster Stelle steht jedoch klar Österreich“, sagt sie zum Thema Nationalteam.

Und auch bei Oberdorfer ist die Nationalmannschaft ein Thema. Bisher stieß sie mit ihren Leistungen in der Schweizer Liga beim ÖFB auf taube Ohren. „Mein Umfeld hat mich sehr darin bestärkt, dass ich die Chance verdient hätte, einmal für das Nationalteam zu spielen. Deshalb hoffe ich auch, dass ich einmal Gelegenheit habe, mich zu beweisen“, sagt die Rankweilerin, die im Frühjahr bei Staad bleiben wird. Auch sie hätte mit der Schweiz eine zweite Option in Sachen Nationalteam.

Bei der 17-Jährigen wird es nach der Matura am Sportgymnasium Dornbirn im Sommer sowieso Veränderungen geben. Denn sie will sich nicht alleine auf das Fußballspielen verlassen. „Ein Studium beginnen und nebenbei Fußball spielen, wäre die perfekte Lösung“, gibt sie ihr Ziel für das kommende Jahr aus.

Bei Horvat hingegen sind die Pläne klar: „Sollte der FC Basel über den Sommer hinaus Interesse an mir haben, werde ich sicherlich dort bleiben.“ Da das Finanzielle hier sehr stark von Prämien abhängt, wird die Höchsterin ab dem neuen Jahr auch einer regulären Beschäftigung nachgehen: „Einfach damit ich auf der sicheren Seite bin.“

Österreich steht für mich nach wie vor an erster Stelle.

Sabrina Horvat
Hannah Oberdorfer (mit dem Ball) im Spiel gegen GC Zürich, am Ende siegten die Staaderinnen 5:1. Hepberger
Hannah Oberdorfer (mit dem Ball) im Spiel gegen GC Zürich, am Ende siegten die Staaderinnen 5:1. Hepberger

Zur Person

Sabrina Horvat

Feierte am 8. August 2012 als 15-Jährige ihr Nati-A-Debüt im Dress des FC Staad

Geboren: 3. Juli 1997

Wohnort: Höchst bzw. Basel

Laufbahn: FC Höchst, FC Staad, FC Basel 1893 (seit 1. Juli 2016)

Position: Mittelfeld bzw. Innenverteidigung

Spiele 2016/17: Nationalliga A 10 (753 Minuten); Schweizer Cup 3 (225 Minuten); insgesamt mehr als 60 Nati-A-Spiele und zwei Tore