Schöne Bescherung schon vor Heiligabend

Kultur / 26.12.2016 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Immer am 23. Dezember beschenkt das Jazzorchester sein Stammpublikum in der Kulturbühne Ambach mit seinem Jazz Xmas. Reiner Feurstein
Immer am 23. Dezember beschenkt das Jazzorchester sein Stammpublikum in der Kulturbühne Ambach mit seinem Jazz Xmas. Reiner Feurstein

Thomas Gertner hat mit Jazz Xmas den Big Band Club Dornbirn neu geprägt.

GÖTZIS. Die vielen Fans des Big Band Clubs Dornbirn haben es gut, für sie gibt es regelmäßig schon einen Tag vor Heiligabend Bescherung. Immer am 23. Dezember beschenkt das heimische Jazzorchester sein eingeschworenes Stammpublikum in der stets Wochen zuvor ausverkauften Kulturbühne Ambach mit seinem Jazz Xmas.

Thomas Gertner, der im Vorjahr in der Leader-Funktion debütierte, war beim zweistündigen Programm in einer mitreißenden „One-Man-Show“ als Dirigent, Sänger, Posaunist und Moderator auch diesmal die zentrale Figur, hat die Band damit auf extrem hohes Niveau geführt und ihr sein besonderes Image verpasst.

Eiserner Leistungswillen

Das ist umso erstaunlicher, als nur die Hälfte der 17 Mitglieder ihre Brötchen mit der Musik verdient und die Band deshalb auch den Amateurstatus für sich in Anspruch nimmt. Mit großem Talent und eisernem Leistungswillen halten sie in zweiter Generation die 1968 von dem verstorbenen Peter Schweizer gegründete, heute älteste Big Band Vorarlbergs jung und aktiv. Da spielt auch Geld keine Rolle, wenn es darum geht, in dieser jährlichen Gala zu zeigen, was man „draufhat“. Denn anstelle von Konzert- und Probenhonoraren gibt es für die Clubmitglieder „nur“ einen mehrtägigen Ausflug – wo, bitte, findet man heute noch eine so lockere pekuniäre Einstellung bei Musikern, die man immerhin zur Jazz-Elite im Land zählen kann?

Und irgendwie überträgt sich dieses „Mitspielen dürfen, nicht müssen“ auch auf ihre Musik, die bei allem Qualitätsbewusstsein einfach auch eine große Portion Lässigkeit und Lockerheit ausstrahlt. Das kommt auch dem Swing zugute, der nach zuletzt spärlicher Behandlung heuer wieder mehr im Vordergrund stehen darf. Der bewährte Rhythmus bildet in glänzend aufpolierten internationalen Arrangements die Basis für fetzige Bläsersätze, die Thomas Gertner sparsam, aber mit sehr klaren Zeichen zu kraftvoll swingendem Leben erweckt, das sofort auch auf den Saal überschwappt. Vielfach tradierte Melodien erscheinen in neuem Licht, mit einer Bandbreite, die diesmal vom alten amerikanischen „Let It Snow“ oder kompakt aufbereiteten Nummern von Chick Corea und dem geliebten Pat Metheny bis hin zu Gesangstiteln wie Bon Jovis aktuellem „It’s My Life“, Edith Piafs Chanson „La Vie en Rose“ oder Paul Ankas Slow „True“ reicht. Für diese hat Gertner als singender Entertainer die jeweils passende seiner unglaublich vielen Ausdrucksvarianten parat.

Mehr als Talentprobe

Ein Gustostückchen ist das 1998 mit einem Grammy ausgezeichnete Arrangement des „Waltz For Debby“, Vorlage für furioses Laufwerk des Bassisten Stephan Reinthaler. Daneben erhalten, an den richtigen Stellen beklatscht vom überaus fachkundigen Publikum, auch immer wieder Einzelne aus den Reihen der Band die Möglichkeit, sich solistisch zu profilieren. Dabei ist auch Obmann Klaus Peter am Tenorsax, der zusammen mit Urgestein Gerd Hämmerle den Verein organisatorisch führt. Und diesmal mit dem Amerikaner Jack Lang sogar ein „Special Guest“, der samt seiner Trompete einen Weihnachtsurlaub in Österreich verbringt und sich spontan angeboten hat, bei diesem Konzert mitzumachen. Er darf sogar solo einen Chorus blasen, der zu mehr wird als einer Talentprobe.

In Astor Piazzollas Ballade „Oblivion“ erobert noch Tone Meusburger mit seinem sanften Flügelhorn die Herzen des Publikums, bevor es am Schluss mit einem abenteuerlich schräg gesetzten „Adeste Fideles“ noch einmal weihnachtlich wird.