Debatte um weniger Arbeit

Politik / 27.12.2016 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Stöger kann sich vorstellen, einen Zwölf-Stunden-Tag zu akzeptieren, wenn es eine Maximalarbeitszeit von 36 Stunden pro Woche gibt. APA
Stöger kann sich vorstellen, einen Zwölf-Stunden-Tag zu akzeptieren, wenn es eine Maximalarbeitszeit von 36 Stunden pro Woche gibt. APA

Stöger hält an 36-Stunden-Woche fest. Kritik vom ÖGB Vorarlberg.

Wien. (VN-ebi) Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) lässt bei der Arbeitszeitverkürzung nicht locker. Sie sei möglich, weil die Produktivität gestiegen ist, erklärte er am Dienstag ein weiteres Mal. Bereits vor einer Woche hatte der Minister mit einem Interview in den VN für Aufregung gesorgt. Industriellenvereinigung und Wirtschaftsbund warfen ihm vor, dass mit seiner Politik Arbeitsplätze vernichtet werden könnten. Stöger hingegen glaubt, dass eine 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich möglich ist: „Den haben sich die Arbeitnehmer mit der Produktivitätssteigerung schon erarbeitet“, sagte er der APA. Die Arbeit müsse angesichts der hohen Arbeitslosigkeit anders verteilt werden, begründet der Minister. Arbeitszeitverkürzung sei dafür „durchaus geeignet“. In manchen Branchen könne das auch über eine sechste Urlaubswoche passsieren.

Wie Stöger lassen auch eine Woche später die Kritiker nicht locker. „Das ist nicht gerade ein modernes Konzept“, urteilte etwa Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP). ÖGB-Vorarlberg-Chef Norbert Loacker meint: „Wer Forderungen in dieser Art aufstellt, ist dafür verantwortlich, wenn sie nicht umgesetzt werden können.“ Als Visionen seien sie in Ordnung. Eine 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich könne aber frühestens in zehn Jahren ein Thema werden, sagte Loacker den VN. Heute würde eine Arbeitszeitverkürzung nicht mehr Arbeitsplätze bringen, sondern Arbeitgeber vielmehr dazu verleiten, ihre Betriebe woanders anzusiedeln, glaubt der ÖGB-Vorsitzende. „Sie brächte den entgegengesetzten Effekt.“ Ebenso die sechste Urlaubswoche: „Solche Vorschläge können nur von einem Minister kommen, der jahrelang in keinem Betrieb gewesen ist. Stöger wäre gut beraten, sich in den Unternehmen umzuhören“, erkärte Loacker.

Ihm zufolge wäre es wichtiger, auf die älteren Arbeitnehmer Rücksicht zu nehmen und deren Pensionsantritt flexibler zu gestalten. Die Möglichkeiten auf eine Teilpension sollten ausgeweitet werden, meint er. Eine Arbeitszeitflexibilisierung wäre laut Loacker möglich, wenn sie nicht nur Dienstgebern zugute komme. Sie müsste „auf beiden Seiten fair und gleichrangig“ ablaufen.