Indianer haben Angst vor Trump

Politik / 27.12.2016 • 22:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sioux demonstrierten gegen die Dacota Access Pipeline. reuters
Sioux demonstrierten gegen die Dacota Access Pipeline. reuters

Trump setzt Kritikerin als UN-Botschafterin ein. Obama rechnete sich für dritte Amtszeit gute Sieg-Chancen aus.

washington. (VN) Der scheidende US-Präsident Barrack Obama wird für sein Zugehen auf die indianische Bevölkerung gelobt. Mit dem Regierungswechsel wachsen jedoch Angst und Unsicherheit unter den indigenen Völkern. „Mit Blick auf den Amtsantritt Trumps kann man einfach nicht feiern“, sagt Laundi Germaine Keepseagle aus dem Standing Rock Sioux-Reservat, wo der Verlauf einer geplanten Pipeline für heftige Proteste gesorgt hatte. Die Sioux dankten Obama und seiner Verwaltung für den Baustopp der Pipeline, die entlang des Oahe-Sees verlaufen sollte, der einer der Haupttrinkwasserquellen des Stammes ist.

Derzeit werden Richtlinien zu künftigen Konsultierungsprozessen erarbeitet. Diese sollen fertig sein, bevor Obama das Weiße Haus verlässt, kündigte Innenministerin Sally Jewell an. Während Jewell erwartet, dass der Bericht auch für eine künftige Regierung Gültigkeit habe, befürchten die Betroffenen, dass der designierte Präsident Trump die Entscheidung für die Suche nach einer Alternativroute rückgängig machen wird. Schließlich gilt Trump als Befürworter der Dakota Access Pipeline, die über knapp 1900 Kilometer von North Dakota nach Illinois führen soll – und er hatte einst in den Pipeline-Bauer investiert. Ein Trump-Sprecher erklärte lediglich, der neue Präsident werde die Pläne prüfen.

Der Stammesführer der Standing Rock Sioux, David Archambault, hofft derweil auf ein Treffen mit Trump. Dabei will er an den künftigen Präsidenten appellieren und den Widerstand seines Stammes gegen die Pipeline-Route verteidigen. Das Projekt gefährde schließlich nicht nur das Trinkwasser, sondern auch kulturelle Stätten. Außerdem spiele Respekt vor der Schöpfung eine Rolle.

In Arizona hat die Führung der Tohono O‘odham Nation bereits deutlich gemacht, dass sie sich dem Mauerprojekt entlang ihres Reservats widersetzen würde. Eher pessimistisch sind auch die Navajo. „Der direkte Dialog, den Präsident Obama mit den Stammesnationen eingerichtet hat, hat uns große Hoffnung gemacht“, sagt Duane „Chili“ Yazzie von den Navajo. „Wenn die Trump-Regierung sich ähnlich bemühen würde, mit uns zu kommunizieren, wäre ich überrascht.“

Trump hat indessen beschlossen, die South-Carolina-Gouverneurin Nikki Haley als neue UN-Botschafterin einzusetzen. Die Republikanerin hatte Trump im Wahlkampf mehrfach offen kritisiert, am Ende jedoch erklärt, ihn doch wählen zu wollen, obwohl sie „kein Fan“ sei. Jetzt werde Haley die USA „als großartige Anführerin auf der Weltbühne vertreten“, sagte Trump. Der Senat muss allerdings die Personalie noch bestätigen. Dann wäre Haley die Nachfolgerin der derzeit amtierenden UN-Botschafterin Samantha Power, die als Kämpferin für Menschenrechte gilt.

Trumps Kritik via Twitter zeigt indes, wie wenig Achtung er vor den UN hat: „Die Vereinten Nationen haben solch großes Potenzial, aber momentan sind sie nur ein Club, wo sich Leute treffen, unterhalten und vergnügen können. So traurig!“

Obamas Meinung

Obama hätte sich bei einer Kandidatur für eine dritte Amtszeit gute Sieg-Chancen ausgerechnet. Die Mehrheit der Amerikaner stehe hinter seiner „Vorstellung eines vereinten Amerikas, dass tolerant ist und vielfältig und offen und voller Energie und Dynamik“.