Gesichtsfraktur zugefügt und auf Notwehr plädiert

Vorarlberg / 28.12.2016 • 22:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Gericht glaubte nicht an Notwehr. Foto: Rauch
Das Gericht glaubte nicht an Notwehr. Foto: Rauch

Landesgericht verhängt nach wüster Prügelei zweier betrunkener Streithähne eine Geldstrafe.

Feldkirch. (ec) Im Sommer kam es vor einem Montafoner Lokal zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Männern. Die beiden schlugen sich gegenseitig, nun mussten die zwei auf der Anklagebank des Landesgerichts Feldkirch Platz nehmen. Der eine wegen schwerer Körperverletzung – er schlug seinem Kontrahenten im Alkoholrausch dermaßen mit der Faust ins Gesicht, dass dieser einen Augenhöhlenknochenbruch erlitt. Doch auch der andere schlug zu und verursachte beim Gegner eine aufgeplatzte Lippe, immerhin eine leichte Körperverletzung.

Notwehr ins Spiel gebracht

Der Verursacher der schweren Körperverletzung berief sich auf Notwehr. Was Auslöser des Streites war, wissen übrigens beide nicht mehr. Jedenfalls gab es vor dem Lokal „Stress“. Und dass viel Alkohol im Spiel gewesen ist, darin stimmen die Beschuldigten, die sich nur vom Sehen her kennen, auch überein. Einer schubste den anderen, es gab eine Rangelei. Dann schlug der 32-Jährige zu. In Notwehr, wie er behauptet. Doch das Gericht wertet die Situation anders. „Wenn ein Angriff bereits beendet ist, kann man nicht mehr von Notwehr sprechen“, so Richter Richard Gschwenter. Zudem wären noch andere Möglichkeiten offengestanden, heißt es in der Urteilsbegründung. Der Angegriffene hätte zum Beispiel einfach weggehen können, so der Richter abschließend.

Opfer operiert

Der zu Boden Geschlagene war nach dem Gesichtsknochenbruch eine Zeit lang bewusstlos und musste operiert werden. Dennoch verzichtet der Verletzte auf Schmerzengeld und räumt ein, dass er auch geschlagen hat. Was seinen eigenen, nicht ganz so verhängnisvollen Schlag betrifft, wird der Mann freigesprochen, denn bei ihm ist nicht klar, unter welchen Umständen dieser erfolgt ist.

Ob sich die Krankenkasse in dieser Sache noch mit den Heilungskosten als Privatbeteiligte anschließen wird, ist offen. Bislang hat sie sich noch nicht gemeldet. Die Verteidigung missbilligt den Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung mit der zur Hälfte bedingt ausgesprochenen Gesamtstrafe von 1800 Euro. Sie bekämpft das Urteil, und auch der Freispruch des anderen Angeklagten ist noch nicht rechtskräftig.