Der Datenklau

Politik / 29.12.2016 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Man wundert sich jeden Tag. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat einen Präsidenten mit begrenztem Horizont gewählt. Das kann selbst für seine eigenen Wähler gefährlich werden. Sie könnten die ersten Opfer sein. Donald Trump wird am 20. Jänner sein Amt antreten. Die Namen der Milliardäre, die er zu Ministern macht, verheißen nichts Gutes. Eigennutz und das Missachten wissenschaftlicher Forschungsergebnisse durch sein Team gefährden den hohen Stand der Wissenschaften in Amerika und blockieren eine gedeihliche Entwicklung. Schon im Wahlkampf hat Trump eines gezeigt: Von abgesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen hält er nicht viel. Umweltschutz ist überhaupt kein Thema für ihn. So hat er den Klimawandel als „Scherz der Chinesen“ bezeichnet. Das Konzept der Erderwärmung hätten sich die Chinesen ausgedacht, um die US-Industrie als Konkurrenz abzuhängen. Maßnahmen gegen die Erderwärmung hält er deshalb für völlig überflüssig. Sein Energieminister wird ein Mann werden, der den Klimawandel kategorisch leugnet.

Die Klimaforscher in den USA sind am Verzweifeln. In ihrer Not greifen sie zu einer hektischen Maßnahme. Sie kopieren auf Teufel komm raus alle Daten über den Klimawandel, die auf den Computern der Regierung abgespeichert sind. Sie wollen diese Studien zur Erderwärmung bis zum Amtsantritt Donald Trumps kopieren und an mehreren Orten außerhalb der Regierungsämter sichern. Sie befürchten nach dem 20. Jänner ein Verschwinden dieser Datensätze auf den Regierungsservern. Die gespeicherten Messdaten sind ein Hindernis für Trumps Politik.

Die Universität von Pennsylvania organisiert die schnelle Datensicherung für ganz Amerika. Die dortige Professorin Bethany Wiggin sagte: „Bei dem kommenden Regierungswechsel sind wir besorgt, dass mit einem Leugner des Klimawandels im höchsten Amt und Leuten in wichtigen Positionen, die nicht an Fakten glauben, mehr Daten verloren gehen könnten, als das normalerweise bei einem Regierungswechsel der Fall ist.“ Eigentlich ein trauriges Zeichen, dass Wissenschaftler dem Präsidenten ihres Landes nicht mehr trauen können.

Im österreichischen Parlament sitzt eine Gesinnungsgenossin Donald Trumps. Susanne Winter hat als Umweltsprecherin der Freiheitlichen im letzten Jahr alle Studien, die beweisen, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wird, als ideologische Pseudowissenschaft bezeichnet. Die „angebliche Klimaproblematik“ sei ein einziges mediales Lügengebäude, das zum Einsturz gebracht werden müsse. Ihre Partei hat diesen Standpunkt übernommen. Susanne Winter wurde dann allerdings wegen antisemitischer Äußerungen aus der FPÖ ausgeschlossen. Mit ihren Anschauungen über den Klimawandel wurde sie in Europa wenigstens für das „Goldene Brett vor dem Kopf“ vorgeschlagen. In Amerika kann man mit derselben Meinung Präsident werden.

Die Klimaforscher in den USA sind am Verzweifeln.

arnulf.haefele@vn.at
Arnulf Häfele ist Historiker und Jurist.
Er war langjähriges Mitglied des Vorarlberger Landtags.