Elf Menschen starben auf Vorarlbergs Straßen

Vorarlberg / 29.12.2016 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Laut VCÖ blieb die Zahl der Verkehrstoten in Vorarlberg 2016 auf niedrigem Niveau.

Schwarzach. (VN-pes) Es ist früher Morgen Anfang Oktober, zwei junge Burschen fahren auf der nassen Bregenzerwaldstraße, sie wollen gemeinsam zur Berufsschule. Der Wagen kommt ins Schleudern, stürzt eine Böschung hinab. Der 17-jährige Beifahrer überlebt den Aufprall nicht. Ende desselben Monats: Eine 25-jährige Frau fährt vor dem Ambergtunnel bei Feldkirch auf einen Lkw auf und stirbt. Nur zwei Tage später, wieder im  Bregenzerwald, fährt ein 31-jähriger Mann in den Tod.

Jeder Unfalltod ist für die Angehörigen der Opfer eine Katastrophe. Aufatmen lassen positive Unfallstatistiken höchstens diejenigen, denen der Verlust eines geliebten Menschen 2016 erspart blieb. In den vergangenen beiden Jahren aber starben nach Zahlen des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) so wenige Menschen auf Vorarlbergs Straßen, wie noch nie. Elf Menschen sind seit Jahresbeginn hierzulande bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, das berichtet der VCÖ. Das ist im Vergleich zum Vorjahr zwar ein leichter Anstieg, 2015 war jedoch das Jahr mit den wenigsten tödlichen Unfällen seit Bestehen der Unfallstatistik. Im Bundesländer-Vergleich weist Vorarlberg die niedrigste Anzahl an tödlichen Verkehrsunfällen auf. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 wurden noch 29 Menschen bei Verkehrsunfällen auf Vorarlbergs Straßen getötet. Die Zahl der Verkehrstoten ist in Vorarlberg seither um rund 60 Prozent gesunken. Im Bundesländer-Vergleich hat Vorarlberg heuer die niedrigste Anzahl an Verkehrstoten. Am zweitniedrigsten ist die Opferzahl in Wien und im Burgenland (jeweils 19).

Maßnahmen greifen

Woher diese positive Entwicklung? Nach Einschätzung des VCÖ greifen Verkehrssicherheitsmaßnahmen auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene. „Es gibt nur eine akzeptable Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle, und die heißt null. Diesem Ziel gilt es durch weitere Maßnahmen so nahe wie möglich zu kommen. Denn hinter den Zahlen verbirgt sich das Leid vieler Familien, die Angehörige durch einen Verkehrsunfall verloren haben“, spricht sich VCÖ-Sprecher Christian Gratzer für weitere Sicherheitsmaßnahmen aus. Kein anderes Bundesland ist diesem Ziel so nahe wie Vorarlberg.

Öffis ausbauen

Wichtig für mehr Verkehrssicherheit sei der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots. Das Unfall­risiko mit dem Pkw ist etwa 50 Mal so hoch wie mit der Bahn, macht der VCÖ aufmerksam. „Je mehr Menschen die Möglichkeit haben, ihre Alltagswege mit Bahn oder Bus zurückzulegen, umso besser für die Verkehrssicherheit“, so Christian Gratzer. Der VCÖ spricht sich dafür aus, dass Gemeinden einen Teil der Einnahmen aus den Verkehrsstrafen für den Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots erhalten.

Wesentlich seien zudem im Ortsgebiet Maßnahmen für mehr Sicherheit für die Schwächsten im Verkehr. „Bei den Fußgängerinnen und Fußgängern sind ältere Menschen die größte Opfergruppe. Das Verkehrssystem nimmt auf ältere Menschen zu wenig Rücksicht. Wir brauchen eine seniorengerechte Verkehrsplanung im Ortsgebiet“, betont Gratzer. Konkret bedeutet das mehr Verkehrsberuhigung, übersichtliche Straßenübergänge und breite Gehwege sowie bei Fußgängerampeln längere Grünphasen und kürzere Rotphasen.

Zudem brauche es in Österreich verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptursachen der tödlichen Unfälle. Diese lauten zu hohes Tempo sowie Ablenkung und Unachtsamkeit.

Auf der Bregenzerwaldstraße kam es heuer zu gleich mehreren tödlichen Unfällen. Foto: VOL.AT/MAdlener
Auf der Bregenzerwaldstraße kam es heuer zu gleich mehreren tödlichen Unfällen. Foto: VOL.AT/MAdlener