Milde Ausdauer tut auch schlechten Herzen gut

Gesund / 29.12.2016 • 18:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Internist Walter Frey ist für jeden Ernstfall gerüstet. Das Equipment wird von Notfallsanitätern des Roten Kreuzes regelmäßig kontrolliert.
Internist Walter Frey ist für jeden Ernstfall gerüstet. Das Equipment wird von Notfallsanitätern des Roten Kreuzes regelmäßig kontrolliert.

Seit zehn Jahren bietet der Verein „Herz-Intakt-Bregenz“ Langzeitrehabilitation an.

Bregenz. (VN-mm) Es lässt sich auch nach einer schweren Herzerkrankung noch sehr gut leben. Das beweisen rund 160 Frauen und Männer, die sich allwöchentlich nach Herzenslust bewegen. Unter ihnen sind auch Patienten, die während ihres Infarkts mehrfach reanimiert werden mussten. Eine Teilnehmerin hat sogar die Neunzig schon überschritten und turnt immer noch munter mit. Vorbei sind die Zeiten, in denen Patienten nach einer Herzerkrankung zur strikten Schonung ihrer Lebenspumpe geraten wurde. „Ein Herz muss gefordert werden, sonst bist du tot“, bestätigt Ingrid Haderer-Matt. Die leitende Oberärztin der Anästhesie im Landeskrankenhaus Bregenz ist Obfrau des Vereins „Herz-Intakt-Bregenz“, der heuer sein zehnjähriges Bestehen feiert. Im Fokus steht die Förderung der Langzeitrehabilitation herzkranker Personen. „Es gilt, das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen und die Leistungsfähigkeit wieder aufzubauen“, erklärt Haderer-Matt. Und natürlich kommt auch das Gesellschaftliche nicht zu kurz.

Zögerliche Information

Herzsportgruppen gibt es im Land bereits seit dreißig Jahren. Bis 2006 wurden sie vom aks angeboten. Als der sich aus finanziellen Gründen zurückzog, nahmen Privatpersonen die Sache in die Hand. Zu den Gründungsmitgliedern, die heute noch dabei sind, gehören Ingrid Haderer-Matt, Clemens Voith und Anni Raid. „Wir haben mit fünf Gruppen und 90 Mitgliedern begonnen. Jetzt sind es bereits sieben Gruppen und 160 Mitglieder“, freut sich Haderer-Matt über den Zuwachs. Allerdings könnten es gut und gerne auch mehr sein. „Die Information an die Patienten erfolgt leider immer noch nur sehr zögerlich“, bedauert die Internistin. Inzwischen ist es jedoch gelungen, auch im Bregenzerwald mit zwei Gruppen Fuß zu fassen.

Unter ärztlicher Aufsicht

Bei Herz-Intakt handelt es sich um eine sogenannte Tertierprävention. Das heißt, die Teilnehmer müssen nach der Akutbehandlung eine Rehabilitation in einem Herzzentrum absolviert haben. Danach sollte regelmäßige Bewegung zum Alltag gehören. „In Studien konnte gezeigt werden, dass körperliche Aktivitäten die Sterblichkeit und das Wiederauftreten von Herzinfarkten deutlich reduzieren“, begründet Ingrid Haderer-Matt. Bei „Herz-Intakt“ wird unter fachlicher Anleitung sowie ärztlicher Aufsicht trainiert. Auch das Notfall-Equipment ist während jeder Turnstunde einsatzbereit. Gebraucht wurde es bislang nur einmal. „Der Patient hat das Ereignis ohne Schaden überstanden“, erzählt Walter Frey. Der Internist aus Hard ist ebenfalls ein Mann der ersten Stunde. Er macht diese ehrenamtliche Tätigkeit gerne. „Für die Leute ist es ein gutes Gefühl, wenn ein Arzt dabei ist“, weiß Frey, der ebenfalls betont, dass milde Ausdauer selbst dem schlechtesten Herzen guttut.

Sicherheit im Alltag

Durchschnittlich 20 Teilnehmer finden sich zu den Übungsstunden ein. Auf dem Programm stehen hauptsächlich Ausdauertraining, Gymnastik und Koordination. Letztere dient vor allem der Sturzprophylaxe. Zur Auflockerung zwischendurch gibt es Spiele. „Die sind wichtig, damit der Spaß nicht verlorengeht“, merkt Ingrid Haderer-Matt an. Die Übungen absolviert jeder wie er kann. Von niemandem wird mehr verlangt, als sein Körper geben kann. „So lernen sie, was sie sich zumuten können. Das schafft Sicherheit im Alltag“, sagt Walter Frey. Neben dem Sportlichen kommt auch das Praktische und Soziale nicht zu kurz. So werden beispielsweise regelmäßig Wiederbelebungskurse angeboten. Ebenso Ausflüge, Wanderungen und Radtouren. Und immer ist ein Arzt dabei.

Förderungen für die Herzsportgruppen kommen in erster Linie von der Stadt Bregenz, vom Land, einigen Gemeinden sowie privaten Sponsoren. Die Teilnehmer selbst bezahlen 40 Euro pro Quartal. Ein kleiner Preis für die sanfte Rückkehr ins Leben nach einem oft dramatischen Ereignis. 

Volle Konzentration auf das Übungsgeschehen. Die Teilnehmer sind mit Ernst bei der Sache. Fotos: vn/paulitsch
Volle Konzentration auf das Übungsgeschehen. Die Teilnehmer sind mit Ernst bei der Sache. Fotos: vn/paulitsch

Termine

Gruppe 1: Donnerstag, 15 bis 16 Uhr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Bregenz

Gruppe 2: Donnerstag, 16 bis 17 Uhr; Gesundheits- und Krankenpflegeschule Bregenz

Gruppe 3: Donnerstag, 18 bis 19 Uhr, Bundesgymnasium Blumenstraße Bregenz

Gruppe 4: Donnerstag, 19 bis 20 Uhr, Bundesgymnasium Blumenstraße Bregenz

Gruppe 5: Mittwoch, 17 bis 18 Uhr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Bregenz

Gruppe 6: Montag, 17.15 bis 18.15 Uhr, Wäldersaal Lingenau

Gruppe 7: Montag, 18.15 bis 19.15 Uhr, Wäldersaal Lingenau

 

Informationen bei Ingrid Haderer-Matt, Tel. 0664/5059199; E-Mail: Ingrid.haderer@lkhb.at oder i.haderer@aon.at