Fast wie alle gegen eine

Kultur / 30.12.2016 • 18:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Autorin Marlen Schachinger kommt aus Niederösterreich.  Foto: Stock
Autorin Marlen Schachinger kommt aus Niederösterreich. Foto: Stock

Das Landleben als Idylle? Keineswegs. Und schon gar nicht in Zeiten von politischem Populismus.

Roman. (bl) Mit dieser Erkenntnis sieht sich auch die Protagonistin in Marlen Schachingers neuem Roman „Martiniloben“ täglich aufs Neue konfrontiert. Mona ist Philosophiedozentin und hat mit ihrem Lebensgefährten Emil die Ruhe des dörflichen Landlebens im fiktiven Örtchen B. in der Nähe von Wien gesucht. Doch der Traum vom intakten und bodenständigen Dorfambiente als Rückzugs- und Kraftort für gestresste Geistesmenschen verwandelt sich rasch ins Gegenteil.

Zunächst begegnen die Dorfbewohner den Neuankömmlingen mit der altbekannten Mischung aus Misstrauen, Tratsch und geschäftstüchtiger Bauernschläue. Doch als sich Mona für die im Dorf untergebrachten Flüchtlinge zu engagieren beginnt, ist es vorbei mit der Zurückhaltung. Ihrem Einsatz für „die da“ folgen Gerüchte über eine angebliche Affäre, ihr Auto wird beschmiert und geheimnisvolle Eindringlinge lassen Mona Nacht für Nacht in ihrem Haus in Panik geraten. Und dann ist da auch noch die neue Nachbarin Daniela, die sich unverhohlen an Emil heranmacht.

Mit Fortdauer der Geschichte eskaliert die Situation. Mona erleidet eine mysteriöse Lebensmittelvergiftung und wird an ihrem Arbeitsplatz ausgebootet, in Wien bilden sich angesichts der drastisch verschlechterten Sicherheitslage Bürgerwehren und eine populistische Partei übernimmt erst das Bundespräsidenten- und dann das Kanzleramt. In Monas Dorf bereitet man sich hingegen auf die Feierlichkeiten für den heiligen Martin vor, welche nach den üblichen Fress- und Saufgelagen in einer regelrechten Gewaltorgie enden.

Zeichen auf Sturm

Die niederösterreichische Autorin Marlen Schachinger treibt ihr Romanpersonal durch eine Vielzahl thematischer Baustellen und überall stehen die Zeichen auf Sturm. Privat sieht sich Mona von allen guten Männern verlassen. Gesellschaftspolitisch ist Radikalisierung angesagt. Und dann ist da noch ein durchaus spannender Kriminalfall, den die Autorin wie nebenher in der atemlosen, gelegentlich etwas zu opulenten und leicht moralinsauren Handlung versteckt hat.