Weglaufen ist die beste Lösung

Vorarlberg / 30.12.2016 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einer Prügelei geht man besser aus dem Weg, Notwehr liegt selten vor.
Einer Prügelei geht man besser aus dem Weg, Notwehr liegt selten vor.

Bahnt sich überraschend eine Schlägerei an, sollte man besser das Weite suchen.

Christiane Eckert

Feldkirch. Silvester und Fasching – jedes Jahr eine Zeit, wo auch der Alkoholkonsum nicht zu kurz kommt. Häufig damit verbunden: Imponiergehabe, ein loses Mundwerk und schlussendlich Schlägereien. Geht’s in Discos oder Bars plötzlich mit Fäusten zur Sache, sollte man sich möglichst rasch aus dem Staub machen. Auch wenn einer Provokation die nächste folgt, Schubsen, Zerren oder Schlagen sind verboten. Wird jemand verletzt, ist der Rahmen für Notwehr und somit Straffreiheit äußerst eng. Ist der Angriff beispielsweise vorüber, ist ein Gegenschlag strafbar. Stehen Alternativen wie Weggehen zur Auswahl, muss man diese wählen. Und bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu verteidigen, muss man das gelindeste Mittel wählen und darf nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Das alles in Sekundenschnelle in Betracht zu ziehen, ist schwierig, deshalb ist es vernünftiger, einem Streit aus dem Weg zu gehen.

Wer verletzt, der zahlt

Häufig hetzen sich Jugendliche gegenseitig auf, und zum Schluss langt jeder einmal zu. Wird jemand verletzt und man weiß nicht, wer bei der betreffenden Schlägerei für den Kieferbruch verantwortlich ist, gibt es den Auffangtatbestand des Raufhandels. Er wurde extra für solche Situationen geschaffen. Wer bei Vandalenakten mitmacht, ist wegen Sachbeschädigung dran. Und zwar unabhängig davon, ob er Rädelsführer oder nur Mitläufer war. Jemand, der „nur“ Schmiere steht oder die Kumpels anfeuert, wird zwar milder bestraft als der Initiator, doch verurteilt wird er allemal. Für Schadenersatzforderungen müssen alle geradestehen. Ein Gerichtsurteil bewirkt, dass sich Opfer 30 Jahre lang ihr Geld holen können.

Besonders teuer wird es, wenn Verletzungen langwierige Behandlungen oder aufwendige Operationen verlangen. Dabei hängt es oft vom Zufall ab, ob jemand durch einen Schlag leicht verletzt wird oder für immer im Koma liegt. Auch wenn es eine Verkettung unglücklicher Umstände ist, dem Angreifer wird dies angelastet. Eine rutschige Stiege vor dem Lokal, Dunkelheit, Alkohol – stürzt jemand, weil ihn ein anderer aus dem Gleichgewicht bringt, muss der Angreifer mit dem Schlimmsten rechnen.

Keine Entschuldigung

Ein Vollrausch und „nicht wissen, was man tut“ ist keine Entschuldigung. Zum einen sind derartige Räusche, die Unzurechnungsfähigkeit bewirken, höchst selten. Zum anderen wird in einem solchen Fall nicht die Straftat, zum Beispiel Körperverletzung, sondern das Sich-volllaufen-Lassen bestraft. Und § 287 Strafgesetzbuch sieht dafür immerhin einen Strafrahmen bis zu drei Jahren vor. Allzu sehr sollte man sich also nicht danebenbenehmen, so rauschend die Feste auch sein mögen.