Anklage sieht Beate Zschäpe als Mittäterin

Politik / 25.07.2017 • 22:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe im Gerichtssaal. Ihr droht lebenslange Haft. Foto: AFP
Die mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe im Gerichtssaal. Ihr droht lebenslange Haft. Foto: AFP

Im NSU-Prozess haben nach mehr als vier Jahren die Schlussplädoyers begonnen.

münchen. (VN) Die deutsche Bundesanwaltschaft fordert eine Veurteilung der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe als Mittäterin an allen Morden und Anschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Die Anklagevorwürfe gegen Zschäpe und die vier Mitangeklagten hätten sich in allen wesentlichen Punkten bestätigt, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München in seinem Plädoyer. Es soll insgesamt 22 Stunden dauern und ist auf mehrere Tage angesetzt.

Urteil in einigen Monaten

Das Strafmaß will Diemer erst am Ende seines Schlussvortrags fordern. Zschäpe droht lebenslange Haft. Mit dem Urteil wird erst in einigen Monaten gerechnet. Die heute 42-Jährige sei Mitbegründerin und Mitglied einer terroristischen Vereinigung, erläuerte der Bundesanwalt. Als Mittäterin habe sie gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt neun Menschen türkischer oder griechischer Herkunft ermordet, eine Polizistin getötet, einen Bombenanschlag auf das Geschäft einer iranischen Familie in Köln verübt und in derselben Stadt eine Nagelbombe mit großer Sprengkraft zur Explosion gebracht. Darüber hinaus sei Zschäpe gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt für schwere Raubüberfalle verantwortlich, nach dem Tod der beiden habe sie die letzte gemeinsame Wohnung des NSU in Zwickau in Brand gesetzt.

Die Anklage argumentiert somit, dass Zschäpe entgegen ihrer eigenen Aussage gleichberechtigtes Mitglied des NSU war. „Die Täter, Hoher Senat, waren Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe“, sagte Diemer. Oberstaatsanwältin Annegret Greger ergänze: „Zschäpe fungierte als Tarnkappe.“ Während die Männer die Ziele auskundschafteten und die Anschläge ausgeführt hätten, sei es ihre Aufgabe gewesen, sich gegenüber Nachbarn Alibis auszudenken, das Geld zu verwalten sowie für Telefon-SIM-Karten, Papiere und Waffen zu sorgen. Außerdem habe Zschäpe die Taten dokumentiert.

Diemer sprach von den „heftigsten und infamsten“ Terroranschlägen seit jenen der linksextremistischen Rote Armee Fraktion (RAF). „Motiv für all diese Verbrechen war rechtsextremistische Ideologie.“ Der NSU habe versucht, einem „widerwärtigen Naziregime den Boden zu bereiten.“ Die Opfer seien willkürlich ausgewählt und nur wegen ihrer ausländischen Herkunft „hingerichtet“ worden.

Den Ermittlungen zufolge lebte Zschäpe fast 14 Jahre mit Mundlos und Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit die zehn Morde, die Anschläge und Überfälle verübt haben. Zschäpe soll von allen Morden gewusst und diese unterstützt haben, die 42-Jährige bestreitet das aber. Vier mutmaßliche Terrorhelfer sitzen neben ihr auf der Anklagebank. Das Verfahren startete am 6. Mai 2013.

Vor der Sommerpause gibt es noch vier Verhandlungstage, die Fortsetzung erfolgt Ende August. Nach der Bundesanwaltschaft sind die Nebenkläger und dann die Verteidiger mit ihren Plädoyers am Zug.

Die Täter waren Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe.

Herbert Diemer