Scharfschütze mit einer bewegten Geschichte

Sport / 25.07.2017 • 22:53 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Kristijan Dobras (Bild) hat es schnell geschafft, bei den Fans den Abgang von Nikola Dovedan vergessen zu machen.Foto: gepa
Kristijan Dobras (Bild) hat es schnell geschafft, bei den Fans den Abgang von Nikola Dovedan vergessen zu machen.Foto: gepa

Das Talent Kristijan Dobras blüht beim Cashpoint SCR Altach wieder auf.

Altach. In Kroatien tobte der Krieg, die Familie Dobras war auf der Flucht und just zu diesem Zeitpunkt erblickte Kristijan Dobras das Licht der Welt. In Varazdin wurde der Altacher Mittelfeldspieler geboren, in Wolfern bei Steyr fand der heute 24-Jährige seine Heimat. Die Familie selbst stammt aus Slavonski Brod an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina. „Meine gesamte Verwandtschaft wohnt dort“, verrät er. Deshalb hält er sich sowohl im Sommer als auch im Winter gerne dort auf. Bekanntester Fußballer der Stadt ist Ex-Bayern-Star Mario Mandzukic (31).

Eine Fußballer-Familie

Die Fußball-Leidenschaft aber wurde dem Neo-Altacher in die Wiege gelegt. Sowohl Vater Danko als auch Mutter Mira sowie seine um ein Jahr ältere Schwester Ines sind bzw. waren begeisterte Fußballer. „Mama und Schwester spielten bei den Damen, mein Vater begleitete mich als Nachwuchstrainer über all die Jahre.“ Mit einem Lächeln im Gesicht verrät er zudem, dass seine Mutter erst aufgehört hatte, als sie ein erstes Mal zusammen im Team mit seiner Schwester gespielt hatte.

Bei Kristijan führte der Weg aus der beschaulichen 3000-Seelen-Gemeinde Wolfern („Da grüßen sich die Menschen“) über die Akademie in Linz zu Rapid. „Eigentlich war schon alles klar mit einem Wechsel in die Red-Bull-Akademie, doch dann haben sie mich nicht gehen lassen“, erzählt er und kommt dann ob seiner Zeit in Wien ein wenig ins Schwärmen. Über die Amateurmannschaft diente sich der Mittelfeldspieler hinauf – und feierte am 15. September 2012 (0:0 gegen die Admira) sein Debüt in der Ersten. „Im Hanappi“, strahlt er, „für Steffen Hofmann eingewechselt.“ Wenige Tage später war er in der Europa-League-Gruppenphase mit dabei. Den Höhenflug, sagt er heute, habe er nicht wirklich gut verdauen können. „Ich bin ein bisschen blöd im Kopf gewesen“, gesteht er und erzählt von einem Streit mit dem Trainer (Anm. d. Red.: Zoran Barisic).

Es schien, als habe er sein Talent weggeschmissen. Die Lösung war ein Wechsel nach Grödig, auch wenn ihn in Salzburg eine Muskelverletzung zweimal völlig aus der Bahn warf. Die Zusammenarbeit mit Trainer Adi Hütter aber ist ihm noch heute in bester Erinnerung. „Er hat mir noch während meiner ersten Verletzungsphase gesagt, ich solle noch für ein weiteres Jahr unterschreiben. Dass er ein guter Trainer ist, wissen wir, das zeigen auch seine Ergebnisse.“ Dobras selbst aber hatte zu hoch gepokert. Grödig ging ohne ihn in die Bundesliga und Rapid wollte die Option nicht ziehen.

Respekt vor Adi Hütter

So war Wr. Neustadt so etwas wie ein Neuanfang für den ehemaligen Nachwuchs-Teamspieler. Unter Trainer Helgi Kolvidsson war er gesetzt und konnte auf sich aufmerksam machen. Sturm hatte Interesse, aber auch der damalige Altach-Coach Damir Canadi wollte den Offensivspieler. „Wir hatten ein super Gespräch“, erzählt er und verrät, warum er sich damals für Graz entschieden hatte: „Weil der Klub größer ist.“

Zwei Jahre später ist er nun in Altach angekommen und es fühlt sich gar nicht nach Neuanfang an. Vielmehr fühlt er sich schon nach wenigen Wochen pudelwohl, auch wenn er noch auf Wohnungssuche ist. „Es blieb bislang kaum Zeit“, sagt er. Für den Wechsel selbst nennt er zwei entscheidende Gründe: „Über den Trainer habe ich nur Gutes gehört, selbst von Spielern, die bei ihm auf der Bank gesessen sind.“ Dies könne er nur bestätigen. „Er ist ein geiler Trainer, zugleich Mensch und hat immer den richtigen Schmäh auf Lager.“ Zudem brennt er darauf, wieder Fußball zu spielen. „Ich werde heiß, wenn ich nicht spiele.“

Nach drei Einsätzen über 90 Minuten in Folge wirkt er somit richtig relaxt vor dem Spiel in Gent. Auch wenn er sich bewusst ist, was ihn und die Mannschaft in Belgien erwartet: „Robuste und große Spieler, eine Mannschaft, die mit viel Risiko spielt.“ Wer aber einmal auf dem Weg von Graz ins Montafon acht Stunden im Auto gesessen ist und gefühltermaßen sieben Staus hinter sich gebracht hat, den kann nichts mehr erschüttern. Das wird „zäh“ dachte er noch damals im Juni bei seiner Ankunft. Heute wirkt er von allen Zwängen befreit, atmet Fußball und genießt das Spielen.

Jetzt weiß ich, was mir bei Sturm gefehlt hat: das Fußballspielen.

Kristijan Dobras

Zur Person

Kristijan Dobras

In Altach wird der Mittelfeldspieler nur „Kiki“ (kroatischer Spitzname) gerufen

Geboren: 9. Oktober 1992 in Varazdin

Laufbahn: SV Wolfern, AKA Linz, SK Rapid Wien, SV Grödig, SC Wr. Neustadt, SK Sturm Graz, Cashpoint SCR Altach (Vertrag bis Juni 2018 mit Option)

Bundesliga-Spiele/-Tore: 97/10

Familie: Vater Danke, Mutter Mira, eine Schwester (Ines/25)