Wenn Justitia ein Auge zudrückt

Vorarlberg / 25.07.2017 • 22:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Im Rahmen der Diversion können Angeklagte bisweilen ihre „weiße Weste“ retten.

Feldkirch. Wer es strafrechtlich nicht allzu bunt getrieben hat, kann auf ein Entgegenkommen seitens der Rechtssprechung hoffen. Natürlich ist diese Vorstrafenfreiheit an gewisse Voraussetzungen gebunden und bei einigen Straftaten will der Gesetzgeber prinzipiell nicht, dass dieser Bonus zum Tragen kommt. In der Praxis ist die sogenannte Diversion allerdings recht häufig, nicht jeder, der vor Gericht landet, ist unbedingt ein Schwerverbrecher. Manchmal gibt ein Wort das andere, innerhalb der Familie wird gedroht oder Jugendliche beschädigen im Übermut etwas. Doch bei der Diversion herrscht keine Narrenfreiheit und es gibt gewisse Spielregeln. Einsicht und Schadenswiedergutmachung sind zumindest gute Voraussetzungen.

Buße oder Arbeit

Eine Variante, ohne Vorstrafe davonzukommen, ist das Entrichten einer Geldbuße. Ein häufiges Problem ist allerdings, dass Delinquenten nicht liquid sind. Bei Jugendlichen übernehmen gerne Eltern die Zahlung, der junge Beschuldigte käme dann ungeschoren davon.

Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, gibt es gemeinnützige Arbeit. In der Freizeit müssen unentgeltlich Arbeiten verrichtet werden. Wie viel und welcher Art, wird im Einzelfall festgelegt. Jugendliche haben in der Regel zwar wenig Geld, häufig aber ausreichend Freizeit. In der müssen sie dann in Altersheimen, in Wirtschaftshöfen, Tierheimen oder ähnlichen Einrichtungen helfen.

Bei Familienstreitigkeiten, nach denen das gemeinsame Leben irgendwie weitergehen muss, greift man auch gerne zum außergerichtlichen Tatausgleich. Auch er ist ein Angebot, das, wird es abgelehnt, nicht zum Tragen kommt. Dann gibt es eben doch eine Verurteilung und eine Strafe. Auch bei Nachbarstreitigkeiten, wo beiderseits Einsicht besteht, wird der außergerichtliche Tatausgleich angewendet, denn auch hier wollen die Streitparteien in aller Regel weiterhin wohnen, wo sie sind, und nicht wegen einer Auseinandersetzung ihren Wohnort aufgeben.

Sanfte Tour

Das Mittel, das am wenigsten einschneidend wirkt, ist die Verhängung einer Probezeit. Dabei wird dem Gesetzesbrecher als Schuss vor den Bug eine Frist gesetzt, innerhalb der er sich ordentlich verhalten muss. Tut er dies, ist die Sache erledigt. Stellt er wieder etwas an, geht das erste Verfahren weiter und ein zweites wegen der zweiten Straftat kommt hinzu. Im Großen und Ganzen werden die Diversionsangebote angenommen und die Bedingungen akzeptiert. Im Einzelfall werden Bußen aber doch nicht bezahlt oder das Freibad lockte mehr als die Arbeit im Altersheim. Dann wird das Verfahren fortgesetzt und eine Verurteilung ist die Folge.