Ausgewettet kurz vor Mitternacht

Vorarlberg / 26.07.2017 • 18:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Natürlich steht die Razzia in Lusten­au unter Polizeischutz.
Natürlich steht die Razzia in Lusten­au unter Polizeischutz.

Behördenaktion gegen ein Wettlokal in Lusten­au. Die VN begleiteten die Einsatztruppe.

Lustenau. Der anhaltende Regen der Nacht lässt die paar Passanten schnell in die umliegenden Häuser verschwinden. Entschlossen macht sich beim blauen Platz in Lustenau auch eine ganz besondere Gruppe auf, um sich schnell durch die Eingangstür beim Haus Kirchstraße 2 zu bewegen: der Einsatztrupp zur Überprüfung illegaler Spiellokale. Drei Beamte der örtlichen Polizeiinspektion, die zwei Polizeijuristinnen der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn mit uniformiertem Begleitschutz.

Es ist jenes Lokal, das dem Optiker Herbert Netzer gehört, der die Mieter möglichst schnell loshaben möchte, die VN berichteten.

Filialleiterin kooperativ

Die Ermittler fackeln nicht lange. Der Lokalchefin erklären die BH-Dornbirn-Vertreterinnen Claudia Feuerstein und Angelika Schiemer klar und deutlich den Grund des Besuchs. Die Behörde vermutet einen illegalen Betreiber des Wettlokals. Nicht jene Firma, auf welche die Wettlizenz zugelassen ist, sondern eine andere.

Feuerstein und Schiemer verlangen sämtliche Unterlagen, blättern diese gezielt durch und stellen Fragen. Wer ihre Kontaktperson für das Lokal sei, wird die Frau gefragt. Sie erwähnt den Namen „Carlos“ und dass der jeden Monat vorbeikomme, um das Geld zu holen.

Die Filialleiterin ist um die 50 und sehr kooperativ. Es fällt kein einziges lautes Wort zwischen den drei Damen. Es ist, als ob sie eine ganz normale unaufgeregte geschäftliche Unterhaltung hätten.

Alternative Fitnessstudio

Martin Konzett, der uniformierte Begleiter der BH-Vertreterinnen, ist wie die noch im Raum befindlichen zwei in Zivil gekleideten Polizisten der PI Lustenau entspannt. Ob er bei Einsätzen dieser Art nicht gelegentlich Angst habe, wird der Bezirkspolizist gefragt. „Angst? Nein, auch wenn es nicht immer so einfach geht“, sagt Konzett. Die Beamten müssen bei Lokalitäten dieser Art gelegentlich Türen aufbrechen. Dann kommen sie freilich mit der Cobra.

Konkret wollen die Untersuchungsleiterinnen herausfinden, ob die im Besitz der Wettlizenz befindliche Firma auch tatsächlich jene ist, die das Lokal betreibt. „Wir hatten im Vorfeld dieses Einsatzes einen konkreten Verdacht, dass dem nicht so ist“, erklärt Angelika Schiemer.

Letztlich erhärtet sich dieser Verdacht, sodass die Verantwortlichen der Razzia zur Tat schreiten. Um exakt 23.40 Uhr versiegeln Schiemer und Feuerstein die beiden Eingangstüren des Lokals und fixieren die vorsorglich mitgebrachten Klebebänder mit der behördlich unmissverständlichen Botschaft: Betriebsschließung gemäß § 12 des Vorarlberger Wettengesetzes. Die Filialleiterin nimmt’s mit Galgenhumor. „Das ist eh nur vorläufig. Ich gehe jetzt halt morgen ins Fitnesstudio.“

Wir hatten schon im Vorfeld einen konkreten Verdacht.

Angelika Schiemer
Die Behörde schließt das Wettlokal. Es besteht der Verdacht auf einen illegalen Wettanbieter. Fotos: Sams
Die Behörde schließt das Wettlokal. Es besteht der Verdacht auf einen illegalen Wettanbieter. Fotos: Sams