Herr Kranebitter bringt den Sekt zum Leuchten

Markt / 26.07.2017 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eduard Kranebitter, CEO des Sektproduzenten Schlumberger, mit der neuesten Innovation: dem leuchtenden Sekt. VN/Paulitsch
Eduard Kranebitter, CEO des Sektproduzenten Schlumberger, mit der neuesten Innovation: dem leuchtenden Sekt. VN/Paulitsch

Wenn es in den Gläsern der Österreicher schäumt, dann steckt meist Schlumberger dahinter.

wien, Schwarzach. (VN-sca) Der Tiroler Eduard Kranebitter ist Markenartikler. Von 1989 bis 2004 als Verkaufsdirektor bei Suchard in Bludenz war er federführend an der Positionierung der Marke beteiligt, seit 2006 ist der Manager im Getränke-Geschäft beim größten österreichischen Sekthersteller, der Firma Schlumberger, tätig. Aber als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist er nicht immer in Sektlaune, wenn es um das Geschäft mit dem Sprudel geht.

„Bessere Ausbildung“

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen findet er Sekt in der allgemeinen Wahrnehmen einfach nicht richtig gewürdigt. „Beim Wein wird auf den Hersteller hingewiesen, auf den Weinberg, auf die Traubensorte. Beim Sekt wird oft nicht einmal der Hersteller genannt“, beklagt er die fehlende Expertise in vielen Gastronomiebetrieben. Was ihm vorschwebt, ist eine bessere Ausbildung der Sommeliers und daran wird vom österreichischen Sektkomitee (in dem alle wichtigen Erzeuger vereint sind) bereits eifrig gearbeitet. Man sei mit ausgewiesenen Fachleuten im Gespräch, wie das in der Gastronomie verankert werden könnte. Zum anderen kämpfen er und die Branche insgegesamt seit der Einführung der Schaumweinsteuer gegen die Benachteilung heimischer Erzeugnisse gegenüber den großen Mitbewerberbern Frizzante und Prosecco. Für die werden nämlich nicht wie für traditionell erzeugte Schaumweine 90 Cent pro Flasche fällig, weil sie anders produziert werden. Um ein Fünftel sind die Umsätze wegen des Preisnachteils eingebrochen, schimpft Kranebitter im VN-Gespräch. Und der vom Finanzminister erhoffte Geldregen sei auch nicht eingetroffen. „Statt budgetierter Einnahmen in Höhe von 34 Millionen Euro wurden nur fünf Millionen eingenommen“, so Kranebitter.

Aber neben diesen Ärgernissen gibt es natürlich auch positive Nachrichten aus Kranebitters Reich des Schaumweins. Etwa jene, dass Schlumberger den Bregenzer Festspielsekt „Carmen“ stellt und dieser bei den Gästen großen Zuspruch findet. Dass die Casinos Austria, „anders als die Politik“, auf österreichische Produkte Wert legt und bei Schlumberger ordert. Dass Schlumberger inzwischen in 37 Länder der Welt verkauft und dass das von Robert Albert Schlumberger gegründete Unternehmen seinen 175. Geburtstag feiert und 60 Millionen in einen neuen Produktionsstandort im burgenländischen Mühlendorf investiert.

Innovation in Sektflaschen

Der neue Eigentümer von Schlumberger, das Schweizer Unternehmen Sastre SA, hat von der Möglichkeit eines Squeeze Out (also des Ausschlusses von Minderheitsaktionären) Gebrauch gemacht und hat sich von der Börse verabschiedet, in Salzburg wurde der Schokoladelikörhersteller Mozart übernommen, und der Sekthersteller hat erfolgreich Innovationen lanciert. Seit Kurzem leuchtet der Sekt auch. Mittels LED sorgen leuchtende Flaschen in Nachtclubs und Bars für Ahs und Ohs. Erfolgreich, wie Kranebitter berichtet.

Potenzial für österreichischen Sekt sieht er übrigens in Vorarlberg. „Die Vorarlberger und Tiroler sind Sektmuffel. Sie trinken lieber Prosecco.“ Noch. Für Kranebitter und seine 220 Mitarbeiter eine Herausforderung, der man sich stellt.