„Ich hatte viel Spaß in meiner Pubertät“

Menschen / 26.07.2017 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Heike Makatsch spricht über ihre Rolle im Film „Das Pubertier“ und erinnert sich an ihre eigene Pubertät.

Berlin. (lh) Beim Spazierengehen fiel Jan Weiler, Buchautor und langjähriger Kolumnist von „stern“ und „Welt am Sonntag“, 2009 die Wortschöpfung „Pubertier“ ein. Darauf basiert der gleichnamige Roman aus dem Jahr 2014, dessen Filmversion nun in unseren Kinos läuft.

Sie haben selbst drei Töchter. Die älteste kam 2007 zur Welt, ist also noch nicht in der „Gefahrenzone“. Aber die Zeit vergeht bekanntlich schnell. Fürchten Sie sich schon?

Makatsch: Ich kann beruhigt sagen: Nein. Denn ich war ja bereits selbst in der Pubertät, und ich beobachte Mädchen, die es gerade sind. Und so, wie meine Eltern damals mit mir umgegangen sind, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn ich Angst haben müsste.

Im Film „Das Pubertier“ wirkt aber manches, wenn auch
in heiterer Form, furchterregend?

Makatsch: Nicht die Pubertät macht Monster aus den Kindern. Das Problem, im konkreten Fall für meinen Film-Ehemann, ist die Schwierigkeit, loszulassen. Dass Kinder weitergehen in ein eigenes Leben, dass man sie nicht als Lebenspartner gepachtet hat, ist für die Eltern vielleicht sehr schmerzhaft. Wir erleben die Melancholie, die dem von Jan Josef Liefers gespielten Vater innewohnt, wobei er gleichzeitig ja weiß, dass er sie nicht haben darf.

Wie war Ihre Pubertät?

Makatsch: Ich habe sie nicht als schrecklich, sondern als aufregend erlebt. Mit der ersten Verliebtheit, mit viel Musik und vielen spannenden Dingen. Ich hatte viel Spaß in meiner Pubertät. In Düsseldorf, der Stadt, in der ich aufgewachsen bin und in der Subkultur, die mich dort umgab. Ich war gut gewappnet und mit viel Selbstbewusstsein ausgestattet. Und meine Eltern haben mit viel Vertrauen auf mich geblickt.

Was ist für Sie im Film „Das Pubertier“ am lustigsten?

Makatsch: Natürlich der Vater. Denn die Mutter hat ja dieses grundsätzliche Vertrauen. Er scheint ein lässiger Typ, der glaubt, alles im Griff zu haben. Doch dann merkt er, dass er zu straucheln beginnt. . .

Läuft die Pubertät heute anders als vor Jahren?

Makatsch: Manche Dinge wiederholen sich, aber man kann das nicht allgemeingültig behaupten. Wir stehen heute vor dem fotogeshoppten Schönheitsideal, der merkwürdigen Reduzierung der Frauen auf sexuelle Attribute und der Darstellung in sozialen Medien. Damals waren wir eher Profiteure von Eltern, die sich bereits emanzipiert hatten. Die Hoffnung ist, dass ein Backlash stattfindet. Dass man etwa erkennt, dass es noch andere Werte gibt als Botox.

Glauben Sie daran?

Makatsch: Ja, ich glaube an eine Gegenbewegung. Mit großen Fragen zu Themen wie Widerstand, wie man die Weichen zu einer besseren Welt stellt und wie man selbst dazu beitragen kann. Denn wenn die Welt so brennt wie heute, muss das bei einer kommenden Generation einfach Reaktionen auslösen. Ich hoffe auf politisches Bewusstsein, und dass man die Social Medias auch als Bündelung für Positives benutzen kann.

Sie sind eine erfolgreiche Schauspielerin. Ist es da überhaupt möglich, der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entkommen?

Ich lebe unbehelligt. Größtenteils. Ja, das schafft man.