Katie Ledecki als weiblicher Phelps

Sport / 26.07.2017 • 19:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

20-jährige US-Amerikanerin setzt bei Schwimm-WM neue Maßstäbe.

Budapest. Nachdem sich Kathleen Genevieve „Katie“ Ledecky zur Rekordweltmeisterin gekrönt hatte, blieb keine Zeit, den historischen Moment zu genießen. „Du schaust auf die Anzeigetafel, siehst deine Platzierung, deine Zeit, und dann versuchst du dich schon auf das nächste Rennen zu konzentrieren“, sagte der US-Star nach dem WM-Triumph in Budapest über 1500 Meter Freistil. Ein wenig Ausschwimmen, die Siegerehrung, dann das nächste Rennen – das Mammutprogramm der 20-Jährigen ließ kein Innehalten zu.

Franklin übertroffen

Mit ihrem dritten WM-Gold in Budapest und ihrem zwölften insgesamt hat sie nun ihre Landsfrau Missy Franklin übertroffen. Die fünfmalige Olympiasiegerin aus Washington, für ihre spanische Konkurrentin Mireia Belmonte „von einem anderen Planeten“, ist nun die erfolgreichste Schwimmerin der WM-Geschichte – gewissermaßen der weibliche Michael Phelps. Der Superstar hatte vor zehn Jahren in Melbourne seinen zwölften WM-Titel gewonnen – als 22-Jähriger. Ein Jahr später stellte er mit acht Olympiasiegen in Peking einen Rekord für die Ewigkeit auf. Um in Phelpssche Dimensionen vorzustoßen, hat Ledecky noch viel Arbeit vor sich. Der Rekordschwimmer war nach den Sommerspielen von Rio de Janeiro im vergangenen Jahr als 26-facher Weltmeister und 23-maliger Olympiasieger zurückgetreten.

Ledecki hat Großes vor

Als 15-malige Weltmeisterin will die Freistil-Königin Budapest verlassen. Nach ihren Siegen über 400 und 1500 m sowie in der Sprintstaffel sind die Titel über 200, 800 m und mit dem 4×200-m-Quartett fest eingeplant. Insgesamt 6300 m im Becken der Duna Arena muss sie dafür schwimmen. Nach der Aufnahme der 1500 m für Frauen ins olympische Programm ist dieser Marathon auch in Tokio 2020 möglich. Mit sechs Goldmedaillen könnte sie die Rekordhalterin Kristin Otto einholen, die 1988 in Seoul für die DDR sechsmal auf Platz eins schwamm.

Schon mit vier Erfolgen in Tokio wäre Ledecky Rekord-Olympiasiegerin im Schwimmen. Bislang liegt ihre Landsfrau Jenny Thompson vorne, die von 1992 bis 2004 achtmal Staffel-Gold gewann. Doch darüber denkt die Studentin der Stanford University in Kalifornien derzeit nicht nach. Sie hat bereits das nächste Rennen im Kopf und die optimale Vorbereitung darauf. „Es ist Routine“, sagte sie, „ich weiß, dass ich die Arbeit gemacht habe, um hier so zu schwimmen.“

Geld spielt keine große Rolle

Abseits ihres Sports ist Ledecky nicht so zielstrebig. Nachdem sie sich vor einem Jahr eingeschrieben hat, weiß sie noch immer nicht, was sie studieren will. „Ich probiere alle interessanten Kurse aus und schaue, was mir gefällt“, erklärte sie vor einem Monat bei ihrer Ehrung als College-Sportlerin des Jahres. Weil sie für das Uni-Team schwimmt, verzichtet Ledecky auf viel Geld. Fünf Millionen Dollar im Jahr könnte sie laut Experten verdienen, sie will aber ihren Amateurstatus nicht verlieren: „Ich achte nicht darauf, mit welchen Zahlen die Leute um sich werfen. Ich will mit meinen Freunden zusammen schwimmen und studieren.“