„Wir sind sehr wohl aufmüpfig“

Vorarlberg / 26.07.2017 • 22:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Neuer Bundeschef der Jungen Schwarzen zu seinen politischen Vorbildern und Vorhaben.

Schwarzach. Designiert dafür ist er seit Mai 2017, gewählt werden soll er nach der vorgezogenen Nationalratswahl. Die Rede ist von Stefan Schnöll, der das Erbe von Sebastian Kurz (30) als Speerspitze der Jungen Schwarzen antritt. Kurz ist bekanntlich zum neuen Bundesparteichef aufgestiegen. Den VN stellte sich Schnöll in einem Interview.

Herr Schnöll, Sie sind 29 Jahre jung. Ab wann ist man zu alt, um Bundeschef der JVP sein zu können?

Schnöll: Unser Alterslimit ist 35. Das heißt, mit unter 30 bin ich noch gut aufgehoben. Theoretisch kann ich also das Amt noch sechs Jahre bekleiden.

Was wird sich unter Ihrer Führung ändern und wo liegen die Unterschiede zum Vorgänger?

Schnöll: Es gibt bestimmt Schwerpunkte, die sich von jenen meines Vorgängers unterscheiden. Wir haben jetzt im Wahlkampf eine ganz spezielle Rolle, weil Sebastian Kurz als bisheriger Obmann zum Bundesparteiobmann geworden ist. Wir sagen immer, die Junge Volkspartei ist der Motor dieser Bewegung und das spürt man auch, wenn es um Inhalte und um die Freiwilligen geht, die sich im Wahlkampf engagieren. Wir werden die JVP bestmöglich aufstellen, um im Wahlkampf erfolgreich zu sein.

Wie viele Mitglieder zählt die JVP derzeit bundesweit?

Schnöll: Wir zählen derzeit knapp 100.000 Mitglieder, so viele Mitglieder gab es meines Wissens noch nie. Seit Sebastian Kurz haben wir Rekordzahlen. Den Zulauf würde ich als sehr rege bezeichnen, er hat in Wahlkampfzeiten zugenommen.

Warum soll eigentlich ein junger Mensch der Jungen Volkspartei beitreten?

Schnöll: Weil man nur bei uns etwas umsetzen kann. Jeder junge Mensch, dem es um die Sache geht, ist bei uns am besten aufgehoben.

Die Sozialistische Jugend geht oft auf Oppositionskurs zur Mutterpartei, die JVP so gut wie nie. Wäre ein wenig mehr rebellisches Auftreten nicht besser?

Schnöll: Auftreten mag sein. Wir haben uns jedoch angewöhnt, die Dinge intern auszudiskutieren. Es wäre leicht, über die Medien oder Plakate etwas auszurichten, ich finde es zehn Mal schwieriger, einander in einem persönlichen Gespräch etwas ins Gesicht zu sagen. Parteiintern sind wir sehr wohl aufmüpfig. Ich habe in meiner Zeit als Generalsekretär der JVP einige Sträuße ausgefochten. Grund dafür waren beispielsweise die Themenbereiche Sozialsystem oder Pension. Da lagen unsere Vorstellungen und jene der anderen Teilorganisationen sowie der Mutterpartei zum Teil weit auseinander.

Wir stehen vor einer Nationalratswahl. Gibt es für Sie persönlich eine Regierungskonstellation, die Sie bevorzugen würden, und mit wem sollte die Volkspartei auf keinen Fall regieren?

Schnöll: Ich persönlich habe keine Präferenzen. Was mir auffällt, ist eines: Es ist extrem erstaunlich, wie sehr sich Parteien und Personen verändern können. Insofern kann ich gar nichts ausschließen, weil ich nicht weiß, wohin sich eine Partei entwickeln wird. Wenn man sieht, wie sich die SPÖ unter Christian Kern entwickelt, so ist dies sicher eine andere SPÖ als jene, die sie unter Werner Faymann war. Und zwar sowohl inhaltlich als auch personell. Es ist also alles offen, was mögliche Regierungskonstellationen anbelangt.

Haben Sie außer Sebastian Kurz ein politisches Vorbild?

Schnöll: (lacht) Ich komme aus einem nicht politischen Elternhaus nahe Salzburg und bin so gesehen überhaupt nicht vorbelastet. Dort ist mir eine Biografie von Alois Mock zwischen die Finger gekommen. Der Inhalt dieses Buchs hat mich bereits damals begeistert. Alois Mock ist für mich ein politisches Vorbild.

Als Politiker ist der leider verstorbene Alois Mock mein Vorbild.

Stefan Schnöll, JVP-Chef

Zur Person

Stefan Schnöll

hat als JVP-Bundeschef das Erbe von Sebastian Kurz angetreten.

Geboren: 13. April 1988

Erlernter Beruf: Jurist

Wohnort: Wals-Siezenheim, Salzburg

Lebensmotto: „Aufgeben tut man einen Brief.“