Der Weißwaschgang war die Lösung

Kultur / 27.07.2017 • 19:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bestens besetzt: Tone Fink vor dem Weißhaus in Hörbranz.
Bestens besetzt: Tone Fink vor dem Weißhaus in Hörbranz.

Eine großartige Idee beschert dem Land in diesem Sommer ein weiteres Kunsthaus.

Christa Dietrich

Hörbranz. Davon reden oder gar jammern ist das eine, etwas tun das andere. Keine Sorge, Kalendersprüche im Sinne von „Außer man tut es ….“ gibt es nicht in diesem Haus in Hörbranz nahe der Grenze zu Deutschland, getan wurde aber etwas und das soll auf Beachtung stoßen. Hinter Büschen und Bäumen versteckt, kommt einem an sich architektonisch unauffälligen Gebäude kurz vor seinem Abriss oder seinem Ausbau somit noch einmal besondere Bedeutung zu. Der Vorarlberger Galerist, Aktivist und Kunstvermittler Gregor Koller hat es nicht nur zur Kunstplattform erhoben, bevor es für ein paar Wochen zum Ausstellunghaus wurde, hat er dem Bauwerk auch noch ein neues Outfit verpasst. Von oben bis unten in einen monochromen Farbton getaucht, hat es nun nicht nur etwas Verwunschenes, der Weißwaschgang erwies sich in mehrerer Hinsicht als ideale Lösung.

Wie ein Signal

Abgesehen davon, dass strahlendes Weiß von den Dachziegeln bis zum Handlauf, von den Fensterkreuzen, biederen Lampenschirmen, Lichtschaltern, Türschnallen, Treppen, Schränken und Garderobehaken bis hin zum Teppich ein neutrales Podium ergibt, wirkt das Haus an der Unterhochstegstraße 14 in Hörbranz nun auch wie ein Signal: Hallo, hier geht ja doch etwas ab, obgleich Kunstinteressierte zurecht bedauern, dass der Bregenzer Festspielsommer abgesehen von den Hotspots wie dem Kunsthaus, das mit Adrián Villar Rojas heuer weithin leuchtet, und dem Palais Thurn und Taxis im Bereich der bildenden Kunst recht ereignislos ausgefallen ist. Gut, in ein paar Kilometern Entfernung von der Seebühne gibt es mit „The Pond Room“ von Hans Op de Beeck immerhin noch ein Highlight, das dem Kunstraum Dornbirn zu verdanken ist. Auch wenn dort alles in Grau getaucht ist, hat Gregor Koller sich nichts abgekupfert, das „Weißhaus“, so der Titel seiner Aktion, ist vielmehr einem innovativen Geist geschuldet, sperrte der gleiche Koller doch auch schon zum zweiten Mal Werke renommierter Künstler in die Volieren im ehemaligen Adlerhorst auf dem Pfänder, wo sie Tag für Tag von Hundertschaften von Besuchern begutachtet werden.

Ideal besetzt

Kaum ein Künstler könnte geeigneter für den Einzug in dieses weiße Haus sein als Tone Fink. Diese Farbe beherrscht das Werk des Vorarlbergers (geb. 1944). Man braucht sich nicht um Wortneuschöpfungen wie „Weißsagungen“ zu bemühen, um sich dem OEuvre anzunähern. Bei Fink entspricht der Bildträger der Haut und die wird im Laufe des Lebens nun einmal verletzt oder geschunden, gepflegt oder von einer weiteren Schicht umhüllt. Den monochromen Bildnissen nachzuspüren, die sich reliefartig von den weißen Wänden abheben, verleiht dem Ausstellungsbesuch weiteren Erlebnischarakter, das Borstige darf im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden. Der exzellente Zeichner und Bildhauer hat im Park seine Möbel- und Spielskulpturen postiert, von dem eine wie ein Ufo gelandet oder ein Fisch gestrandet ist. Bevor im Haus die Finksche Sitzgarnitur besetzt wird, sei der Raum neben der Abstellkammer besichtigt. Dort treibt Fink erotische Spielchen, handelt (nicht nur in Weiß) Begehren und Begierden ab, ist unbeschwertes Kind und Philosoph zugleich und zudem idealer Besetzer dieses Hauses, in dem es nun ein paar Wochen so unaufgesetzt wie es nur möglich ist, der Kunst gilt sowie dem Spaß, der Reflexion und dem Denken.

Ich wähle Weiß, denn vor dem Farbebekennen habe ich eine gewisse Scheu.

Tone Fink
Alle Räume sind weiß, die Bilder sind es nahezu: Künstler Tone Fink mit dem Galeristen Gregor Koller.   FotoS: VN/CD
Alle Räume sind weiß, die Bilder sind es nahezu: Künstler Tone Fink mit dem Galeristen Gregor Koller.   FotoS: VN/CD

Die Ausstellung im Weißhaus (Hörbranz, Unterhochstegstraße 14) ist bis 26. August, jeweils Do bis Sa, 18 bis 20 Uhr geöffnet.