Die Saat des Musikers ist wunderbar aufgegangen

Kultur / 27.07.2017 • 19:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Komponist Gerold Amann mit seinen Schülern, den Komponisten und Musikern Michael Floredo und Gerald Futscher, beim Schlussapplaus.
Komponist Gerold Amann mit seinen Schülern, den Komponisten und Musikern Michael Floredo und Gerald Futscher, beim Schlussapplaus.

Wiener Concert-Verein spielte Musik von Gerold Amann und seinen Schülern.

BREGENZ. Gerold Amann, Wegbereiter der Neuen Musik in Vorarlberg, Vaterfigur einer ganzen Generation heimischer Komponisten, wird im Herbst 80. Das war schon am Mittwoch Grund genug für eine Hommage durch den aus Mitgliedern der Symphoniker mit Christian Roscheck als Organisator bestehenden Wiener Concert-Verein vor einem begeisterten Freundeskreis. Dessen jahrzehntelange sommerliche Konzertreihe mit Werken von Vorarlberger Musikschaffenden wurde nach dem Ausstieg der Festspiele als Veranstalter im Vorjahr zum ersten Mal vom Vorarlberg Museum in die Reihe „Zeitklang im Museum“ übernommen.

Es sind vor allem seine originelle Art, seine Echtheit und Ehrlichkeit um jeden Preis und auch eine gewisse sarkastische Ader in kulturpolitischen Dingen, die Gerold Amann als Mensch und Musiker stets ausgezeichnet haben. Diese Eigenschaften finden sich in hohem Maß auch in seinem musikalischen Schaffen, als eine Art Aushängeschild bei seinem legendär gewordenen Stück „Nachricht für den Uhu“ von 1983, das auch im Zentrum dieses Abends steht. Amanns einführende Worte dazu: „Nehmen Sie es nicht ernst, es ist eine Groteske!“ Umso mehr Spaß bereiten dann fünf Musiker unter der umsichtigen Leitung von Martin Kerschbaum mit ihrer durchaus ernsthaften, fein ausgeklügelten Wiedergabe dieser „Transkription verzögerter Bandwiedergabe“ mit Uhubalz, Morsezeichen und den markant hintersinnigen Kuckucksrufen der Klarinette, wo es doch eigentlich um den Uhu gehen sollte … Auch Amanns Concertino für größeres Kammerensemble mit Bläser- und Streicherbesetzung und Klavier von 1999 zeigt ihn als durchaus ernsthaften Komponisten, der mit der und in der Natur verbunden lebt und deren Schallereignisse über ein solides Handwerk zu aussagekräftiger Musik werden lässt.

Werke der Schüler

Eingerahmt werden diese Werke des Altmeisters von Arbeiten seiner vielen „Schüler“, zu deren international bedeutendsten heute Herbert Willi und vor allem der in New York lehrende Georg Friedrich Haas zählen, der sich dezidiert auf Amann als prägende Figur seiner Ausbildung beruft. Dieser kommentiert das für die Zuhörer auf seine Art: „Ich freue mich, dass sie alle ihre eigene Musik gefunden haben und nicht bloß kleine Amännle geworden sind.“ Der Altacher Michael Floredo steuert sein erfolgreichstes Stück bei, „Orpheus‘ Rückkehr“, das durch die an der Uni lehrende Wiener Pianistin Ines Schüttengruber am präparierten Flügel eine kraftvolle und doch lyrisch feinsinnige Deutung erfährt. Gerald Futscher präsentiert die Uraufführung zweier Stücke für Posaune und Klavier, die sehr eigenständig im Dialog geführt werden. Die Spannung ergibt sich zwischen dem vierteltönig konzipierten Posaunenpart mit dem tonlich eloquenten jungen Martin Riener und dem normal gestimmten Klavier. Von Johanna Doderer stammt ein Tango, den sie, ganz im Stil ihres Lehrers, mit verschiedenen kleinen Stolpersteinen originell angereichert hat.

Gerold Amann aber kann sich heute beruhigt zurücklehnen und auf sein Lebenswerk zurückblicken: Seine Saat ist aufgegangen.

Der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Martin Kerschbaum im Vorarlberg Museum. Fotos: JU
Der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Martin Kerschbaum im Vorarlberg Museum. Fotos: JU

Hörfunkwiedergabe: 31. Oktober (Gerold Amanns Geburtstag), 23.05 Uhr Ö 1. „Zeitklang im Museum“ II: 4. August, 20 Uhr, Bregenz, Vorarlberg Museum (u. a. mit Werken von Richard Dünser).