„Einzig sicherer Halt sind die Verfassungen“

Kultur / 27.07.2017 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nach den ersten Premieren fand die offizielle Eröffnung der Salzburger Festspiele gestern in der Felsenreitschule statt.  Foto: APA
Nach den ersten Premieren fand die offizielle Eröffnung der Salzburger Festspiele gestern in der Felsenreitschule statt. Foto: APA

Ferdinand von Schirach warnte als Festredner in Salzburg vor Wut als Ratgeber.

Salzburg. Der deutsche Jurist und Bestseller-Autor Ferdinand von Schirach hat sich als Festredner bei den Salzburger Festspielen mit großem Nachdruck gegen Volksentscheide ausgesprochen. „Der Volkszorn ist unberechenbar. Er kann jederzeit aufgestachelt werden“, sagte er vor Gästen aus Kunst, Politik und Wirtschaft am Donnerstagmittag in der Felsenreitschule. Vielmehr sollten die bewährten demokratischen Verfahren einer Politik der kleinen, korrigierbaren Schritte unbedingt weitergepflegt werden. Denn niemand sei im Besitz der Wahrheit, auch nicht die Wähler. Volksentscheide seien eine Prämie für Demagogen. „Unser einzig sicherer Halt sind die Verfassungen der freien Länder. Ihre Ausgewogenheit und Langsamkeit ordnen unsere schwankenden Gefühle. Sie lehnen Wut und Rache als Ratgeber ab“, so Schirach. Denn was wird, wenn sich die Mehrheit der Bürger wieder für „das Furchtbare, das Dunkle entscheidet?“, fragt Schirach.

Neue Tyrannei

Soziale Medien hätten einen großen Effekt auf unsere Zeit. Das Bösartige in den Kommentaren scheine zu dominieren, so der gebürtige Münchner. Die Bürger dächten, sie könnten besser entscheiden als die gewählten Politiker. Dabei sei die sogenannte Schwarmintelligenz nur ein neuer Begriff für die Tyrannei der Stärkeren. „Das Internet hat das Gefüge der Demokratien grundlegend verändert.“ Im Angesicht der Verlagerung der Diskurse ins Internet seien wir gefragt, nicht in ein „digitales Biedermeier“ zu verfallen, sondern auf Solidarität zu achten, so Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Die analogen Welten des Theaters, wie wir sie hier erleben, der Oper, des Konzertes und der Ausstellungen sind Orte der Herzensbildung“, meine Kulturminister Thomas Drozda und nahm somit ebenfalls Bezug auf die Digitaliserung.

Die Salzburger Festspiele dauern heuer bis 30. August und stehen unter dem Motto „Macht“.