Mordanklage nach Bluttat im Bregenzer Drogenmilieu

Vorarlberg / 27.07.2017 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 7. Februar 2017.
VN-Bericht vom 7. Februar 2017.

35-Jähriger fuhr mit dem Stadtbus zum Tatort, wo er Dealerin erwürgte und 85 Mal auf sie einstach.

Feldkirch. Das Verbrechen ereignete sich am 6. Februar 2017 in Bregenz (die VN berichteten). Noch am Abend der Bluttat wurde ein 35-jähriger Verdächtiger verhaftet, der nun von der Staatsanwaltschaft Feldkirch wegen Mordes angeklagt wurde. Voraussichtlich im Herbst wird der Schwurgerichtshof tagen. Die Anklage ist nicht rechtskräftig, doch was den Sachverhalt betrifft, war der achtfach Vorbestrafte bislang geständig.

Feuersbrunst verhindert

Nachbarn hatten damals in der Wohnung des Opfers an der Bregenzer Arlbergstraße einen ausbrechenden Brand bemerkt und gemeldet. Die Feuerwehr konnte zwar eine Feuersbrunst verhindern, fand allerdings die blutüberströmte Pensionistin. Die Bregenzerin war als Drogendealerin bekannt, sie war erwürgt und mit 85 Messerstichen malträtiert worden. Wie lange sie bei Bewusstsein war und wie viel die Pensionistin von der brutalen Attacke mitbekommen hat, ist nicht ganz klar. „Der genaue Ablauf der Tathandlung lässt sich aufgrund der Spurenlage nicht mehr nachvollziehen“, so die Anklage.

Einiges spricht allerdings dafür, dass seitens des Opfers keine heftigen Abwehrbewegungen gegen die Stiche erfolgten. „Mein Mandant kann sich vielfach nicht mehr erinnern“, erklärt dazu Verfahrenshilfeverteidiger Martin Ulmer. „Als man ihm mitteilte, dass er seine langjährige Bekannte ermordet hatte, war er sehr bestürzt, und er ist bestimmt kein Schauspieler“, führt Ulmer weiter aus. Seinem Mandanten, der zuletzt in einem Arbeitsprojekt Hausmeister- und Reinigungsarbeiten verrichtete, tue alles aufrichtig leid, sagt der Verteidiger weiter. Was den Brand in der Wohnung betrifft, ist vieles unklar.

Die Staatsanwaltschaft vermutet Brandstiftung, um Spuren zu verwischen. Brandbeschleuniger fand man keine, offenes Feuer ist als Ursache wahrscheinlich. Auch dazu kann der Angeklagte nichts sagen.

Koks im GWL-WC

Relativ klar scheint, dass Täter und Opfer, eigentlich miteinander gut befreundet, wegen Drogen in Streit geraten waren. Der 35jährige Tatverdächtige hatte bei der Frau eingekauft und spritzte sich im Anschluss daran mehrmals Kokain. Gespritzt wirkt Kokain besonders heftig. Auf dem WC im Bregenzer GWL habe er sich nochmals nachgespritzt, erinnert sich der Mann. Dann sei er wieder zu der Dealerin. Offenbar versuchte er, heimlich etwas einzustecken, die Frau bemerkte dies.

Streit eskalierte

Laut Anklage eskalierte wegen dieses Diebstahlversuches der Streit zwischen den beiden. „Ich wollte Evelin nicht töten“, beteuert der U-Häftling. „Ihm ist klar, dass er für seine Tat geradestehen muss und er übernimmt auch die Verantwortung“, so der Bregenzer Strafverteidiger Ulmer über seinen Mandanten. Dass es mit der Vorstrafenbelastung leicht über 15 Jahre werden können, ist dem Inhaftierten bewusst. Doch trotz der trüben Aussichten denkt er bereits über die Zukunft nach. Er möchte die Zeit nutzen, um eine Lehre zu machen.

Heroin mit 17 Jahren

Das Gutachten des Psychiaters Primar Reinhard Haller bestätigt dem Mann eingeschränkte, aber vorhandene Zurechnungsfähigkeit. Allerdings ist der stämmige Beschuldigte seit Langem schwer drogenabhängig. Alkohol mit 14 Jahren, LSD und Kokain mit 16. Mit 17 Heroin, Verhaltens-, Persönlichkeits- und Emotionsstörungen als Folge.

Neben zwei Gutachtern sind lediglich zwei Zeugen geladen. Dann entscheiden die Geschworenen über die Konsequenzen dieser Bluttat.

Ihm ist klar, dass er für seine Tat geradestehen muss.

Martin Ulmer
In der Bregenzer Blumenstraße kam es zur Verhaftung des Täters durch das EKO Cobra.Foto: Vol.at/Madlener
In der Bregenzer Blumenstraße kam es zur Verhaftung des Täters durch das EKO Cobra.Foto: Vol.at/Madlener