Stierkampf „light“ auf Mallorca empört Lobby

Welt / 27.07.2017 • 22:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Stierkampf spaltet die Gemüter: Während die einen die Tradition als „Kulturgut“ sehen, demonstrieren die anderen gegen die „Barbarei“. AFP
Der Stierkampf spaltet die Gemüter: Während die einen die Tradition als „Kulturgut“ sehen, demonstrieren die anderen gegen die „Barbarei“. AFP

Widerstand nach Gesetzesbeschluss, Stiere weder zu verletzen noch zu töten.

Palma de Mallorca. Auf Mallorca wird es ab sofort keine blutigen Stierkämpfe mehr geben. Das Parlament der Balearen verabschiedete ein Gesetz, wonach die Tiere während der Corrida von den Toreros weder verletzt noch getötet werden dürfen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht mehr zuschauen, der Verkauf von Alkohol wird verboten und jeder Stier muss nicht länger als zehn Minuten in die Arena.

Im vielerorts noch immer Stierkampf-begeisterten Spanien stößt das auf heftigen Widerstand. Die Stiftung „Toro de Lidia“ (Kampfstier) kündigte an, rechtliche Schritte gegen die neuen Normen einleiten zu wollen. Durch die Anordnung, die Bullen am Leben zu lassen, „wird der Stierkampfkunst ihre Essenz genommen, nämlich der Tod“, zitierte die Nachrichtenagentur Europa Press die Organisation. Stiftungspräsident Carlos Nunez erklärte, das Gesetz sei „echte Barbarei“ und verstoße gegen die gängigen Regeln.

Ob dem tatsächlich so sein könnte, will auch die konservative Regierung von Mariano Rajoy prüfen – und gegebenenfalls vor das Verfassungsgericht ziehen. Rajoys Volkspartei (PP), seit jeher eine große Unterstützerin der Tradition, hatte im Balearenparlament gegen die Pläne gestimmt. Schon 2013 war in Madrid ein Gesetz verabschiedet worden, das die Corrida als „immaterielles Kulturgut“ definiert. Im vergangenen Jahr legte das Verfassungsgericht nach und erklärte, dass der spanische Staat allein zuständig sei, wenn es darum gehe, die „Tauromachie“ zu schützen und zu fördern.

Mehr als 20 Tierschutzorganisationen unterstützen­ das Balearen-Gesetz. Die NGO Anima Naturalis sprach von einem „historischen“ Moment. Die Balearen sind nicht die erste Region des Landes, die der jahrhundertealten Tradition ein Ende bereiten will. Die Kanarischen Inseln haben es 1991 vorgemacht. Katalonien folgte 2012 – allerdings wurde die Entscheidung im Oktober vergangenen Jahres vom Verfassungsgericht für verfassungswidrig und ungültig erklärt.