„Erfahren und loyal“

Markt / 28.07.2017 • 07:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ältere Menschen länger im Betrieb zu halten oder sie sogar neu anzulocken macht Sinn.
Ältere Menschen länger im Betrieb zu halten oder sie sogar neu anzulocken macht Sinn.

„Alte Hasen“ sind in Unternehmen nicht immer gefragt. Dabei sind sie von unschätzbarem Wert.

ARBEITSMARKT. Mit der Aktion 20.000 hat die österreichische Bundesregierung ein Zeichen gesetzt, um (Langzeit-)Arbeitslose ab 50 wieder in die Jobwelt zu integrieren. In Vorarlberg wird Bregenz zur Modellregion, indem 400 neue Jobs für älterne Arbeitnehmer geschafft werden. Das ist nicht nur für die Betroffenen persönlich erfreulich, sondern auch dringend notwendig, sagen Arbeitsmarktexperten. Denn allein schon wegen des demografischen Wandels, braucht es in Zukunft „die Alten“ in der Arbeitswelt. „Auch wenn sie körperlich weniger belastbar sind und ihre Ausbildung lange zurückliegt, müssen sich die Firmen Gedanken machen, wie sie ältere Kollegen länger im Betrieb halten – oder sogar neu anlocken“, gibt Rudolf Kast, Chef des Demografie-Netzwerks zu bedenken. Zwar hätten vor allem größere Firmen dies erkannt. „Doch gut zwei Drittel der Unternehmen müssen noch ganz viel tun für ihren Wandlungs- und Bewusstseinsprozess.“

Fehlende Kultur

Höhere Kosten, ein überbewerteter Kündigungsschutz, der seit Juli allerdings deutlich gelockert wurde, sowie eine fehlende Kultur im Umgang mit Älteren werden von Experten als Gründe ausgemacht, warum sich viele ab 50 schwer tun, einen Job zu bekommen. Andererseits gibt es so viele Menschen über 50 mit einem Job wie nie zuvor, die Zahl dieser Erwebstätigengruppe liegt in Österreich bei knapp einer Million. Seit 2008 ist die Zahl um fast 50 Prozent auf 923.000 gestiegen. Viele ältere Menschen sind jahrelang im Betrieb und nehmen eine wichtige Rolle ein.

Ihre Loyalität und ihre Erfahrung werden geschätzt. Problematisch wird es jedoch, wenn sie ihre Stelle verlieren. Fast jeder zweite Arbeitslose, der über 55 ist, ist mit höchstens einer kurzen Unterbrechung schon mindestens ein Jahr auf Arbeitssuche. Dass sie zu teuer sind, ist ein Teil der Erklärung. „Außer in Frankreich steigen die Löhne mit dem Alter in keinem Industrieland so stark wie bei uns“, weiß etwa Michael Christl von der Denkfabrik Agenda Austria. Die höheren Kosten eignen sich aber nur eingeschränkt als Erklärung. Das legt eine breitangelegte Studie des IHS nahe, die für das Sozialministerium erstellt wurde. In Branchen, in denen die Löhne mit dem Alter stark steigen, gibt es nicht mehr Arbeitslose als in anderen. Die Jobsuche dauert genauso lang wie in anderen Branchen.

Sinnstiftend

Stark steigt die Arbeitslosenquote dann ab 55 oder 60, einem Alter, in dem es oft keine automatischen Lohnsteigerungen mehr gibt. Für den Arbeitsrechtler Wolfgang Mazal von der Universität Wien ist es wichtig, dass sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern müsse, um die Lage zu bessern. „Die Beschäftigung Älterer wird immer nur als notwendig, nicht als sinnstiftender Beitrag gesehen.“ Welche Rolle die Qualifikation älterer Arbeitsloser spiele, lasse sich nur schwer beurteilen. Firmen müssten bei der Weiterbildung jedenfalls früher als mit 50 ansetzen.