Forscher entdeckten frühesten Raubfisch

Wissen / 28.07.2017 • 14:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So könnte der Birgeria americana ausgesehen haben. Rechts im Bild das Fossil des Schädels.Illustration: Nadine Bösch
So könnte der Birgeria americana ausgesehen haben. Rechts im Bild das Fossil des Schädels.Illustration: Nadine Bösch

Der Birgeria americana jagte vermutlich ähnlich wie der heutige weiße Hai.

Zürich. Nach dem größten Massenaussterben von Tierarten der Erdgeschichte vor rund 252 Millionen Jahren entwickelten sich große Räuber an der Spitze der Nahrungskette früher als bis-
her gedacht. Das schließen Wissenschafter der Uni
Zürich aus dem Fund des bisher ältesten fossilen Raubfischs.

Bis zu 90 Prozent der im Meer lebenden Arten verschwanden im Zuge des verheerenden Massenaussterbens an der Wende vom Perm zum Trias, vor rund 252 Millionen Jahren. Während sich die weltweite Artenvielfalt im Laufe der folgenden fünf Millionen Jahren in mehreren Phasen erholte, tauchten die ersten großen Räuber erst etwas später auf, nämlich vor 247 bis 235 Millionen Jahren. Zumindest gingen Paläontologen bisher davon aus.

Ein Fossilienfund könnte diese Annahme nun widerlegen, schrieb die Universität Zürich in einer Mitteilung: Züricher Paläontologen haben mit US-Kollegen in der Wüste Nevadas die fossilen Überreste eines der frühesten großen Raubfische entdeckt. Bei dem Fund handelt es sich um einen 26 Zentimeter langen Schädelrest mit langen Kiefern und bis zu zwei Zentimeter langen, spitzen Zähnen.

Dieser Vertreter der bisher unbekannten Knochenfischart Birgeria americana war etwa 1,8 Meter lang und durchstreifte bereits eine Million Jahre nach dem großen Massensterben das Meer, das damals Nevada und die angrenzenden US-Bundesstaaten bedeckte, schrieb die Uni Zürich. Das mache ihn zum ältesten bisher bekannten Exemplar der großwüchsigen Birgeria-Arten, die weltweit existierten. Aus dieser Zeit vor 252 bis 247 Millionen Jahren seien außerdem bisher kaum Fossilien von Wirbeltieren bekannt.

Ähnlichkeiten mit weißem Hai

„Der überraschende Fund aus dem Elko County im Nordosten Nevadas gehört zu den am komplettesten erhaltenen Wirbeltier-Überresten aus dieser Zeit, die je in den USA entdeckt wurden“, sagte Carlo Romano, Erstautor der im Fachmagazin „Journal of Paleontology“ veröffentlichten Studie.

Birgeria jagte vermutlich ähnlich wie der heutige weiße Hai: Er verfolgte Beutefische und packte sie mit den Zähnen, bevor er sie als Ganzes verschlang. Aus dem Fund schließen Romano und seine Kollegen, dass sich die durch das Massensterben verkürzte Nahrungskette rascher erholte als man bisher dachte. Demnach existierten Spitzenräuber, welche die Nahrungskette dominierten, offenbar bereits in der frühen Trias (vor 252 bis 247 Millionen Jahren).

Das Fossil räumt noch mit einer weiteren These auf: Bisher ging man davon aus, dass die Gebiete um den damaligen Äquator zu warm waren, als dass sich Wirbeltiere dort entwickelt konnten. Da sich die Eier von heutigen Knochenfischen bei über 36 Grad nicht normal entwickeln, könnte das damalige Meer doch nicht so warm gewesen sein wie vermutet. „Die Wirbeltierfunde aus Nevada weisen darauf hin, dass bisherige Interpretationen, wie sich vergangene globale Veränderungen und Biodiversitätskrisen entwickelt haben, zu einfach waren“, stellte Romano laut der Mitteilung fest.