Ingrid Noll hat zum „Halali“ geblasen

Kultur / 28.07.2017 • 18:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Roman. Was das bedeutet, ist jedem Fan der Krimi-Autorin klar: Toughe Frauen hat das Jagdfieber gepackt. Doch im Unterschied zu früheren Romanen spielt die neue Geschichte nicht hier und heute, sondern überwiegend in der Vergangenheit. Genauer gesagt: in den 1950er-Jahren in der früheren bundesdeutschen Hauptstadt Bonn. Holda erzählt ihrer Enkelin Laura im Stil von 1001 Nacht von ihrer wahrlich nicht langweiligen Jugend. Schön, wie sich Holda im Dialog mit Laura über neu- und altmodische Begriffe, Lebensbedingungen, Gepflogenheiten, Anstand und Sitte der jeweiligen Generation und deren moralische Grenzen austauscht.

Noch besser, mit welcher Leichtigkeit – oder Skrupellosigkeit – Holda und ihre Freundin Karin genau diese seinerzeit überschritten haben. Erneut ein Beweis dafür, dass die 81-jährige Noll nichts von ihrem schwarzen Humor verloren hat und ihren Traum von aufregenden Abenteuern, Ausbrüchen aus der Normalität und Verletzungen von Tabus literarisch auslebt.

Ingrid Noll: „Halali“, Diogenes Verlag, Zürich, 320 Seiten.