Konzertabend voller Ironie und Sehnsucht

Kultur / 28.07.2017 • 19:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sänger Sven Regener weiß mit der Sprache umzugehen.
Sänger Sven Regener weiß mit der Sprache umzugehen.

Viel Charakter, Musik und Gefühl beim Poolbar-Festival in Feldkirch.

FELDKIRCH. (VN-mir) Ausverkaufte Konzerte, eine gute Stimmung und freche Auftritte sind keine Seltenheit beim Poolbar-Festival. Trotz Regen und kühlen Temperaturen verbrachten zahlreiche Musikfreunde Sommerabende auf der architektonisch gestalteten Terrasse und wärmten sich im prall gefüllten Alten Hallenbad wieder auf.

Poetische Texte

Sven Regener und seine Band Element of Crime legten am Donnerstag einen Zwischenstopp in Feldkirch ein. Der deutsche Schriftsteller und Musiker schaffte es mit wenigen Worten, Antworten auf große Fragen unserer Zeit zu liefern. Mit ihrem rauen Sound durchleuchteten sie die verschiedensten Themen und befassten sich mit menschlichen Gefühlen. Element of Crime überzeugte das Publikum mit tiefgründigen Texten und filigranen Melodien. Die Band wollte keine Veranstaltung für „Oldies“ darbieten: „Das Alter ist keine Entschuldigung“, sagte der 56-jährige Regener. Der noch nicht veröffentlichte Song „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ und das Lied „Jetzt musst du springen“ gefielen dem Publikum besonderes gut.

Nerv der Zeit

Ein weißes Hemd, ein paar Plastikpalmen, eine umgebundene Gitarre und seine Band genügten Julian Pollina alias Faber, um einen grandiosen Auftritt als Vorband hinzulegen. Der Sänger flirtete mit dem Publikum und ließ so manches Herz höher schlagen. Faber sang auf Hochdeutsch über die Gesellschaft, bedingungslose Liebe und Fernweh. Der 24-jährige Schweizer nahm kein Blatt vor den Mund, mit Ironie, politischer Kritik und Provokation rüttelte er die Zuhörer auf. „Das Publikum in der Poolbar war sehr aufmerksam, aber auch kritisch und überrascht“, sagt der Sänger Pollina und fügte hinzu: „Wir waren uns am Anfang nicht sicher, wie wir als Vorband beim Publikum ankommen werden, aber es war ein lässiges Konzert.“ Der Band gelang es, auch den letzten kritischen Zuhörer für sich zu gewinnen. Faber wird Vorarlberg am 14. November für ein Konzert im Spielboden Dornbirn erneut beehren. „Beide Konzerte, die Stimmung und auch das altersmäßig bunt durchmischte Publikum haben mir sehr gut gefallen“, schwärmt die 45-jährige Dagmar Berry aus Bregenz, die zum ersten Mal die Poolbar besuchte.

Was noch kommt

Heute Abend wird Crack Ignaz, der selbsternannte König der Alpen, die große Halle bespielen. Der junge Salzburger gehört zu den bekanntesten Rappern Österreichs. Auswärtsspiel heißt es am Dienstag, die Band Pixies aus Boston wird im Monforthaus Feldkirch auftreten. Die österreichische Indie-Pop-Band The Boys You Know wird als Vorband fungieren. Anschließend wird die Afterparty in der Poolbar stattfinden. In Feldkirch wird nicht nur internationalen Künstlern eine Bühne geboten, auch Talente aus der Umgebung können sich präsentieren.

Der aus Zürich stammende Pop-Newcomer Faber sorgte in der Poolbar für Gänsehaut. Fotos: RHOMBERG
Der aus Zürich stammende Pop-Newcomer Faber sorgte in der Poolbar für Gänsehaut. Fotos: RHOMBERG