Mit Mutterkühen in den Bergen ist nicht zu spaßen

Vorarlberg / 28.07.2017 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Warntafeln sollten beachtet werden. Foto: LK Vorarlberg
Die Warntafeln sollten beachtet werden. Foto: LK Vorarlberg

Wanderer sollten sich hüten, den Kühen und ihren Kälbern zu nahe zu kommen.

Bregenz. Die Meldungen werden in der Sommersaison häufiger: Kuhherde attackiert Wanderer. Bei fast allen Vorfällen dieser Art sind auch von den Wanderern mitgeführte Hunde im Spiel, wenn sich diese unvorsichtigerweise den Kühen zu sehr nähern. Auch heuer gab es bei einer solchen Begegnung bereits wieder ein Todesopfer. Anfang Juni wurde bei Erl im Bezirk Kufstein eine 70-jährige Frau von einer Mutterkuhherde angegriffen und getötet. Sie war mit zwei Hunden unterwegs, welche die Kühe in Rage brachten.

In Vorarlberg kam es vor zwei Jahren zu einer folgenschweren Attacke von Mutterkühen auf eine 35-jährige Frau. Auch sie war mit einem Hund unterwegs. Die Herde trampelte sie nieder, die Frau wurde mit mehreren Knochenbrüchen ins LKH nach Feldkirch eingeliefert.

Halbwilde Tiere

„Mutterkühe mit ihren Kälbern sind halbwilde Tiere“, weiß Thomas Jutz (61) Leiter der Fachabteilung Tierzucht in der Landwirtschaftskammer. „Sie halten sich entweder in Laufställen auf oder im Freien. Weil sie nicht gemolken werden, hält sich der Kontakt mit Menschen sehr in Grenzen.“ Mutterkühe dienen im Gegensatz zu den Milchkühen der Fleischproduktion, ihre Milch dürfen sie für ihre Kälber behalten.

„Wenn eine Mutterkuhherde auf der Alpe einen Hund entdeckt, verhält sie sich instinktiv feindselig. Sie hält ihn für einen Wolf und nimmt eine Abwehrhaltung ein“, erklärt der Experte.

Noch gefährlicher kann es werden, wenn die Mutterkuhherde von einem Stier begleitet wird. „Da würde nicht einmal ich mich durchtrauen“, sagt Jutz. Das Problem sei, dass viele unkundige Wanderer einen Stier nicht von einer Kuh unterscheiden können. Wie man merkt, dass es gefährlich wird? „Wenn der Stier dich zuerst fixiert und dann langsam auf dich zukommt, ist das schon ein untrügliches Zeichen für sein Aggressionspotenzial. Richtig heiß wird es, wenn er den Kopf senkt und mit den Hufen zu scharren beginnt. Spätestens dann sollte man Reißaus nehmen“, empfiehlt Jutz.

Schoßhündchen

Mutterkuhherden gibt es im ganzen Land. „Aber die Herden mit Milchkühen sind natürlich viel zahlreicher auf den Alpen anzutreffen“, erklärt Christoph Freuis (38) vom Alpwirtschaftsverein. Was ihm auffällt: „Die Zahl der Wanderer, die mit Hunden auf Alpen unterwegs sind, hat zugenommen. Und vor allem: Sie haben viel häufiger Schoßhündchen mit dabei. Diesen Trend kann man beobachten.“ Wichtig wäre es, dass die Hunde in dem Moment weglaufen, wenn eine Herde auf sie aufmerksam wird und sich ihnen nähert. „Wenn jemand sein Hündchen hinter sich verstecken will, ist das die absolut falsche Reaktion“, macht Freuis deutlich.

Ratsam ist es, sich vor einer Wanderung auf einer bestimmten Route darüber zu informieren, ob der Weg an einer Mutterkuhherde vorbeiführt.

Auch sollte man auf das Mitnehmen von Hunden am besten verzichten. Nimmt man sie dennoch mit, sollte man nicht mitten durch eine Herde spazieren, sondern am Rand, damit eine Flucht jederzeit möglich ist.

Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. Da ist Vorsicht geboten.Foto: AP
Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. Da ist Vorsicht geboten.Foto: AP