Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 28.07.2017 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER: Maurice Steger, Blockflöte, und Ensemble

ALBUM: Souvenirs d’Italie

LABEL/VERTRIEB: harmonia mundi

Der legendäre Graf Harrach, der ab 1728 als Habsburger Vizekönig von Neapel Geschichte schrieb, scheint derzeit wieder in Mode zu sein. Schon das Barockorchester „Concerto Stella Matutina“ veröffentlichte kürzlich eine CD mit Werken aus dessen vor wenigen Jahren entdeckter Handschriftensammlung, nun meldet sich auch der aus Winterthur stammende, international als Blockflötist und Dirigent ausgewiesene Maurice Steger (46) mit dieser Einspielung von Harrachs „Souvenirs d’Italie“. Die vom Grafen zusammengetragenen Zeitdokumente an Concerti und Sonaten heute weitgehend vergessener Komponisten wie Sammartini oder Caldara geben dem unglaublich virtuosen Solisten und seinem Ensemble Gelegenheit zu schöner Entfaltung und sorgfältiger Aufarbeitung im authentischen Stil mit dem warmen Klang ihrer Originalinstrumente. Steger ist heuer „Artist in Residence“ bei den „Montafoner Resonanzen“ (ehemals „Montafoner Sommer“).

Konzerte: 3. August, 20.15 Uhr, Pfarrkirche Tschagguns; 4. August, 20.15 Uhr, Pfarrkirche Bartholomäberg

KÜNSTLER: Martin Heini, Orgel

ALBUM: J. S. Bach: Goldberg-Variationen

LABEL/VERTRIEB: Guild Music (2 CDs)

Bachs 30 „Goldberg-Variationen“, entstanden 1742, angeblich um einem Grafen seine schlaflosen Nächte zu verkürzen, sind unbestritten ein Gipfelwerk barocker Variationskunst. Der engagierte Luzerner Organist Martin Heini, der bereits im Vorjahr in Tschagguns ein Konzert an drei Orgeln gab, geht in dieser Einspielung neue Wege. Er verwendet kein original vorgesehenes Cembalo und auch nicht den heute üblichen Flügel, sondern bearbeitete das Werk für Orgel und entlockt ihm dadurch in einer packenden Gestaltung nicht nur neue Klangfarben, sondern auch Details in der oft komplexen Stimmführung, die sonst verloren gehen.

Das Risiko, das jeder Künstler mit diesem spieltechnisch schwierigen Werk von knapp 100 Minuten Spieldauer eingeht, verringert sich bei einer CD-Produktion mit ihren Korrekturmöglichkeiten. Martin Heini wagt bei den „Montafoner Resonanzen“ aber auch das künstlerische Abenteuer einer Livedarbietung.

Konzert: 7. September, 20.15 Uhr, Pfarrkirche Tschagguns

KÜNSTLER: Jasmin Choi, Flöte

ALBUM: Love in Paris

LABEL/VERTRIEB: CREDIA Starship

Das Flötenstück schlechthin, „Syrinx“ von Claude Debussy, führt als Opener auf dieser CD in die zauberhafte Klangwelt von Jasmin Choi (33). Und lässt Erinnerungen wach werden an den Sommer 2013, als die Südkoreanerin als Soloflötistin der Symphoniker bei den Festspielen die personifizierte „Zauberflöte“ war. Diese Verbindung hat nur ein Jahr gehalten, seitdem ist Choi als eine der gefragtesten Musikerinnen ihres Faches wieder weltweit auf Tournee, geerdet inzwischen in Vorarlberg als Gattin des feschen Kapitäns des Dampfers „Hohentwiel“, Adolf Konstatzky. Ihre fünfte CD ist in Seoul entstanden, diesmal auf eigenes Risiko, ohne das Rückgrat ihres früheren Plattenlabels. Live eingespielt zusammen mit dem Pianisten Samuel Sangwook Park hat sie das der Flöte besonders entgegenkommende Repertoire der französischen Romantik von Bizet bis Poulenc, mit brillanter Fertigkeit und sinnlichem Ton. Eben eine Zauberflöte!

KÜNSTLER: Olga Peretyatko, Sopran

ALBUM: Russian Light

LABEL/VERTRIEB: SONY Classical

Weil eben bei den Bregenzer Festspielen und der Hausoper „Moses in Ägypten“ von Rossinis wunderbarem Belcanto so viel die Rede war: Die Sopranistin Olga Peretyatko (37) ist eine heute an den internationalen Opernbühnen gefragte, absolut koloratursichere Vertreterin dieses speziellen Gesangsfaches.

Auf ihrer aktuellen vierten Einspielung präsentiert sie nun abseits ihres Grundrepertoires stilistisch untadelig, mit großer Natürlichkeit und dunkler Stimmfärbung Arien und Orchesterlieder der „Big Five“ unter den Komponisten ihrer russischen Heimat wie Glinka, Rimsky-Korsakov oder Schostakowitsch. Ein bisschen Bravour muss aber auch hier sein: Rachmaninows traumverlorenes „Vocalise“ oder Strawinskys blitzsauberes „Lied der Nachtigall“ geraten zu musikalischen Juwelen von fast unwirklicher Schönheit und zum Zentrum dieser von Dmitry Liss und seinem Ural Philharmonic Orchestra geschmackvoll begleiteten CD.