Das Märchen ist prolongiert

Sport / 30.07.2017 • 23:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jubel, Trubel, Heiterkeit: Österreichs Damen haben nach einem Sieg im Elfmeterschießen das Halbfinale bei der Fußball-EM erreicht.Foto: apa
Jubel, Trubel, Heiterkeit: Österreichs Damen haben nach einem Sieg im Elfmeterschießen das Halbfinale bei der Fußball-EM erreicht.Foto: apa

Damen-Nationalteam siegt im Elferschießen gegen Spanien, im Halbfinale wartet Dänemark.

Tilburg. Das Fußball-Märchen von Österreichs Frauen-Nationalteam hat auch im EM-Viertelfinale seine Fortsetzung gefunden. Die ÖFB-Auswahl setzte sich in Tilburg gegen den Weltranglisten-13. Spanien nach torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen mit 5:3 durch und ist damit bei der eigenen Endrunden-Premiere unter den besten vier Teams Europas vertreten.

Beim Elferschießen eiskalt

Im Kampf um den Finaleinzug geht es am Donnerstag in Breda gegen Dänemark. Die Däninnen schalteten zuvor sensationell Deutschland, den Europameister der vergangenen sechs Auflagen, nicht unverdient mit 2:1 aus. An das Team rund um Pernille Harder hat Österreich gute Erinnerungen, bei der EM-Generalprobe hatte es Anfang Juli in Wiener Neustadt einen klaren 4:2-Sieg gegeben.

Vor 3488 Zuschauern fiel die Entscheidung nach ausgeglichenen 120 Minuten mit wenigen Topchancen vom Elfmeterpunkt. Da behielten Laura Feiersinger, Nina Burger, Verena Aschauer, Viktoria Pinther und Sarah Puntigam die Nerven, verwandelten souverän. Das Mentaltraining mit Mirjam Wolf hat seine Wirkung nicht verfehlt, das Team hat in diesem Punkt alles richtig gemacht. Heldin war auch Torfrau Manuela Zinsberger, die den Versuch von Silvia Meseguer parierte.

Die ÖFB-Elf prolongierte damit auch ihre ungeschlagene Serie im Turnierverlauf nach dem 1:0 gegen die Schweiz, dem 1:1 gegen Frankreich und dem 3:0 gegen Island, was zum Gruppe-C-Sieg geführt hatte. Zur Spielerin des Spiels wurde Feiersinger gewählt.

Eine Hiobsbotschaft gab es aber auch. Lisa Makas schied mit Verdacht auf Kreuzband­riss im linken Knie aus. Für die Deutschland-Legionärin ein bitterer Moment, hatte sie doch bereits zweimal wegen einer Kreuzbandverletzung pausieren müssen.

Im ersten K.o-Phasen-Endrundenspiel der Geschichte war bei der ÖFB-Auswahl trotz mutigem Start doch Nervosität erkennbar. Von der Lockerheit, die das Team zuvor ausgezeichnet hatte, war wenig zu sehen. Spanien übernahm schnell das Kommando und hatte die besseren Momente.

Zinsberger wurde bei einem Losada-Schuss erstmals geprüft (7.), ein Paredes-Abschluss im Strafraum ging knapp daneben (8.). Auch bei einem Schuss von Regisseurin Amanda Sampedro fehlte nicht viel (19.). Kurz vor der Pause mangelte es auch noch Meseguer an der nötigen Effizienz (44.). Während die ÖFB-Defensive, in der Kapitänin Viktoria Schnaderbeck gegenüber Virginia Kirchberger den Vortritt erhalten hatte, immer wieder Probleme bekam, lief an vorderster Front ganz wenig zusammen. Es fehlte auch die nötige Präzision im Spiel.

Nach Seitenwechsel präsentierten sich Schnaderbeck und Co. deutlich verbessert und setzten auch nach vorne Akzente. Bei einem Kopfball der eingewechselten Nadine Prohaska rettete Torfrau Sandra Panos (53.). Rekord-Torschützin Burger wurde gut bedient, kam aber nicht zum Abschluss (62.), Feiersinger verabsäumte es, aus guter Position zu schießen (70.). Der EM-Halbfinalist von 1997, der in der Vorbereitung einen Tag weniger Pause gehabt hatte, wirkte nicht mehr so gefährlich. Bis zur 92. Minute, da ging ein Hermoso-Schuss über das Tor. Die Verlängerung kam insgesamt wenig überraschend, dort blieben Topchancen dann aus. In der Entscheidung vom Punkt hatten die ÖFB-Kickerinnen die besseren Nerven. Damit gab es im dritten Pflichtspiel gegen Spanien erstmals einen Sieg, nach zwei Niederlagen 2009 in der Qualifikation für die WM 2011.

„Stolz, was da passiert ist“

Teamchef Dominik Thalhammer war mit seinen Damen selbstredend sehr zufrieden: „Wir haben das erwartet schwere Spiel erlebt. Wir sind nicht ganz so oft in diese Pressingsituation gekommen, wie wir wollten. Aber wir haben extrem gut verteidigt und mit extrem viel Herz gespielt. Auch in der Verlängerung und im Elfmeterschießen haben wir eine unglaubliche mentale Stärke gezeigt. Das ist ein unglaublicher Moment. Ich bin einfach stolz, was da in den letzten Jahren passiert ist. Wir haben letztendlich vielleicht auch verdient gewonnen. Wir haben in den letzten vier Spielen bei einer EM gegen Topgegner nur ein Tor bekommen.“

Nach einem Elfmeterschießen ins Halbfinale einzuziehen, ist unglaublich.

Viktoria Schnaderbeck
Carina Wenninger und Torfrau Manuela Zinsberger.Foto: apa
Carina Wenninger und Torfrau Manuela Zinsberger.Foto: apa

Fußball

Frauen, EM-Endrunde 2017

Viertelfinale

Österreich – Spanien 5:3 i. E./0:0 n. V.

Tilburg, Willem II Stadion, 3488 Zuschauer, SR Stephanie Frappart (FRA)

Gelbe Karten: Wenninger, Aschauer bzw. Leon, Torrejon

Elfmeterschießen: 1:0 – Feiersinger trifft, 1:1 – Garcia trifft, 2:1 – Burger trifft, 2:2 – Sampedro trifft, 3:2 – Aschauer trifft, 3:2 – Meseguer scheitert an Zinsberger, 4:2 – Pinther trifft, 4:3 – Corredera trifft, 5:3 – Puntigam trifft

Österreich (4-2-3-1): Zinsberger; Schiechtl, Wenninger, Schnaderbeck, Aschauer; Zadrazil (110. Pinther), Puntigam ; Feiersinger, Billa (81. Kirchberger), Makas (42. Prohaska); Burger

Spanien (4-4-2): Panos; Corredera, Torrejon, Paredes, Leon ; Meseguer, Sampedro, Losada (68. Putellas); Caldentey (56. Garcia), Paz (112. Torrecilla), Latorre (76. Hermoso)

Niederlande – Schweden 2:1 (1:0)

Torfolge: 33. 1:0 Martens, 64. 2:0 Miedema

Deutschland – Dänemark 1:2 (1:0)

Torfolge: 3. 1:0 Kerschowski, 49. 1:1 Nadim, 83. 1:2 Nielsen

England – Frankreich 1:0 (0:0)

Tor: 60. 1:0 Taylor

Halbfinale

Niederlande – England Donnerstag

Dänemark – Österreich Donnerstag