Ein Sieg vor dem Urlaub, Vettel auf Wolke sieben

Sport / 30.07.2017 • 21:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sebastian Vettel jubelt nach dem Sieg in Budapest.Der Ferrari-Star soll seinen Vertrag bei der Scuderia bereits verlängert haben.Foto: ap
Sebastian Vettel jubelt nach dem Sieg in Budapest.Der Ferrari-Star soll seinen Vertrag bei der Scuderia bereits verlängert haben.Foto: ap

Ferrari-Doppelsieg in Budapest, Hamilton schenkt Bottas Platz drei.

Budapest. In der Hitze des Hungarorings hat Sebastian Vettel trotz verzogener Lenkung seinen vierten Formel-1-Saisonsieg gerettet und Lewis Hamilton im Titelrennen wieder distanziert. Abgeschirmt von Teamkollege Kimi Räikkönen, der den Ferrari-Doppelerfolg vor dem Mercedes-Duo Valtteri Bottas und Hamilton sicherte, schleppte sich der vierfache Champion trotz des technischen Defekts als Erster ins Ziel.

Alle Hände voll zu tun

Durch den Erfolg in seinem 50. Rennen für die Scuderia verabschiedete sich Spitzenreiter Vettel mit 14 Punkten Vorsprung auf den Briten in den Urlaub. „Ich bin auf Wolke sieben, das war ein ganz, ganz schwieriges Rennen für mich. Ich hatte alle Hände voll zu tun“, berichtete Vettel nach seinem 46. Karrieresieg.

Kurz vor der Ziellinie ließ Hamilton seinen Teamkollegen sogar wieder passieren, nachdem ihm Bottas zuvor für die letztlich gescheiterte Attacke auf Ferrari den Weg frei gemacht hatte. „Vielen Dank an Lewis, dass er das Versprechen gehalten hat“, sagte Bottas. „Das war ein supersportlicher Zug, der auf den ersten Blick vielleicht naiv ist“, räumte Mercedes-Teamchef Toto Wolff ein.

Wie viel Vettels Sieg im Titelrennen wert ist, wird sich zeigen. Michael Schumacher war 2004 der bislang letzte Pilot, der nach dem Ungarn-Erfolg am Saisonende auch Weltmeister wurde. Seither musste sich der Budapest-Sieger in der Gesamtabrechnung immer hinten anstellen. Hamilton hat das schon selbst miterlebt. Im Vorjahr raste er zwar zu seinem fünften Erfolg in Budapest, den Titel sicherte sich am Ende jedoch Nico Rosberg.

Vettel überstand die 618 Meter bis zur ersten Kurve unbeeinträchtigt und führte das Feld auch nach dem Start an. Dahinter schepperte es bei sommerlich heißen Temperaturen. Max Verstappen krachte seinem Red-Bull-Teamkollegen Daniel Ricciardo nach einem Verbremser in den Seitenkasten. Der Baku-Sieger drehte sich und musste seinen demolierten Wagen abstellen. „Gelinde gesagt, war das amateurhaft. Da war kein Raum vorbeizukommen“, schimpfte der Australier Ricciardo. „Ich erwarte, dass er sich entschuldigt.“

Das Safety Car fuhr auf den 4,381 Kilometer langen Kurs, das Feld blieb eng zusammen. Für Verstappen hatte der Rammstoß jedoch Konsequenzen. Der 19-Jährige bekam eine Zehn-Sekunden-Strafe aufgebrummt. Vorerst steckte Hamilton aber hinter dem Youngster fest. Von Position vier war der Brite ins Rennen gegangen, nach dem Start aber hinter Verstappen gerutscht.

„Uns liegt die Strecke nicht, sie ist kurz und kurvig“, hatte Mercedes-Teamchef Wolff vor Formel-1-Etappe elf eingeräumt. „Für uns geht es um Schadensbegrenzung.“ Für Pole-Mann Vettel und Teamkollege Räikkönen, die zum zweiten Mal in dieser Saison eine rote Startreihe eins bildeten, keineswegs. Sie rasten voran. Probleme bereitete Vettel indes die Steuerung. Sein Lenkrad hatte sich nach links verzogen. Die Rundenzeiten des Deutschen wurden schlechter, drei Zehntel verlor er auf seinen ersten Verfolger Räikkönen. Auch Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas kam näher.

Räikkönen als Abschirmdienst

Der Finne ging als Erster aus der Topgruppe an die Box. Es folgten Hamilton, der wegen Funkproblemen teilweise keinen Kontakt zur Box hatte, Vettel und Räikkönen. Der Ferrari-Star bewies bei seinem Stopp gutes Timing, denn sein finnischer Kumpel fuhr erst nach ihm wieder auf die Strecke. Hamilton machte sich als Dritter auf die Jagd nach Räikkönen. Der 32-Jährige kam an dem Mann aus Espoo jedoch nicht vorbei. An der Spitze hielt sich Vettel, dessen Vorsprung auf Räikkönen aber immer mehr schmolz. Der Finne fungierte in der packenden Schlussphase wie eine Art Abschirmdienst für den WM-Leader.

Die Ferrari-Crew empfahl dem Deutschen wegen der Steuerprobleme sogar, nicht über die Randsteine zu fahren. Auf den letzten Metern gab Hamilton dem Finnen dann wie zuvor abgesprochen den Platz wieder zurück und wurde so nur Vierter: „Es ist hart für die Meisterschaft, aber ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht.“

Das war überfällig, wir haben uns das verdient.

Sergio Marchionne, Ferrari
Knatsch bei Red Bull: Max Verstappen (r.) rammte nach dem Start Teamkollege Daniel Ricciardo aus dem Rennen. Foto: apa
Knatsch bei Red Bull: Max Verstappen (r.) rammte nach dem Start Teamkollege Daniel Ricciardo aus dem Rennen. Foto: apa