Zwei Tote nach Schüssen in Konstanzer Diskothek

Welt / 30.07.2017 • 22:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hunderte Gäste befanden sich in der Disco, als die Schüsse fielen. Zahlreiche rannten in Panik nach draußen. Fotos: dpa; Rts
Hunderte Gäste befanden sich in der Disco, als die Schüsse fielen. Zahlreiche rannten in Panik nach draußen. Fotos: dpa; Rts

Iraker schießt mit Sturmgewehr um sich. Täter von Polizei getötet. Sie spricht von persönlichem Motiv.

Konstanz. Tragisches Ende einer Partynacht: Mit einem Sturmgewehr, wie es US-Streitkräfte benutzen, hat ein vorbestrafter Mann in einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen – ein Türsteher starb, drei Menschen wurden schwer verletzt, darunter ein Polizist. Sieben Personen wurden leicht verletzt. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb außerdem der 34 Jahre alte Angreifer. Bei ihm handelt es sich um einen anerkannten Asylwerber irakisch-kurdischer Herkunft, der als Kind 1991 nach Deutschland gekommen war. Das teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth am Sonntag in Konstanz mit. Baden-Württembergs Innenstaatssekretär Martin Jäger betonte, es handle sich um kein islamistisch motiviertes Verbrechen.

Persönliches Motiv

Die Staatsanwaltschaft berichtete, es habe einen Streit vor der Diskothek gegeben. Der 34-Jährige sei daraufhin nach Hause gefahren, habe die Kriegswaffe geholt und sei damit zu dem Club zurückgekehrt. Bei dem Betreiber der Disco handelt es sich nach Polizeiangaben um den Schwager des 34 Jahre alten Todesschützen. Warum es zu dem Streit kam, war zunächst nicht bekannt. Die Ermittler gehen von einer persönlichen Auseinandersetzung aus, die auf „unsagbare Weise eskaliert“ sei.

Nach Angaben des Experten Andreas Stenger vom Landeskriminalamt nutzte der Mann eine US-Kriegswaffe vom Typ M16. Woher der Mann die Waffe hatte, war zunächst unklar. Der Schütze war vorbestraft, er war der Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Drogendelikten bekannt.

Schreie und Panik

Die Tat in der Nacht dauerte nur wenige Minuten, wie sich ein 27 Jahre alte Augenzeuge erinnert. Wie er, so standen auch zahlreiche andere, meist junge Gäste unter dem Eindruck des unerwarteten Angriffs: Als die Musik plötzlich verstummte, Schreie zu hören waren und Panik ausbrach.

Ein weiterer Augenzeuge berichtete, dass ein Täter mit einer Maschinenpistole wahllos auf die Gäste geschossen habe. „Die Diskothek war rammelvoll. Ich schätze, dass mehrere Hundert Menschen da waren.“ Sowohl der Zeuge als auch die Polizei haben mitgeteilt, dass Gäste nach den Schüssen das Gebäude in Panik verlassen und sich verschanzt hätten.

„Schlimmeres verhindert“

Die Polizei war gegen 4.30 Uhr alarmiert worden und war danach mit starken Kräften an Ort und Stelle, auch Spezialkräfte waren an dem Einsatz beteiligt.

Nach Angaben von Polizeipräsident Ekkehard Falk wurde wohl Schlimmeres verhindert. Durch ein neues Einsatzkonzept seien so bezeichnete Erstinterventionskräfte schnell dort gewesen. Dadurch sei verhindert worden, dass mehr Menschen zu Schaden kamen. Nach Eingang der Notrufe seinen rasch elf Einsatzwagen vor Ort gewesen.