Aufschwung trotz der Minilöhne und Hungerrenten

Politik / 31.07.2017 • 22:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Finanzminister EfklidisTsakalotos hat die Geldflüsse im Griff.reuters
Finanzminister EfklidisTsakalotos hat die Geldflüsse im Griff.reuters

Griechen atmen auf. Ihr Land tiefstapelt sich aus der Krise.

athen. „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“, können endlich auch die Griechen im neunten Jahr der Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise aufatmen. Öffentliche Sparzwänge und persönliche Entbehrungen drohen nicht mehr unendliche Geschichte zu werden. Wachsende Stabilität, sogar ein gewisser Aufschwung lassen sich greifen. Jugend und Alte stöhnen jedoch weiter unter dem Joch von Minilöhnen und Hungerrenten. Aushängschild für Athens Rückkehr von der Bevormundung durch seine EU-Gläubiger auf den freien Kapitalmarkt ist die Ende Juli zum ersten Mal seit Jahren wieder aufgelegte zehnjährige Staatsanleihe. Sie wurde sogar überzeichnet. Denn Rentenanstalten und sonstige Langzeitanleger greifen in Null-Zinsen-Zeiten wie diesen nach allem, das etwas einbringt. Nach Sicherheit fragen sie erst unter ferner liefen.

Früher hatte es sich das moderne Volk der Neugriechen angewöhnt, über seine Verhältnisse und auf Kosten anderer zu leben. Staatsbankrotte waren seit dem Ende der Türkenherrschaft ab dem – gerade jetzt zum 150. Todestag erinnerlichen – ersten Athener König Otto von Wittelsbach an der Tagesordnung, bis da die Eurozone einen Riegel vorschob. Das Fehlen von Meldewesen und Grundbuch machte es Importeuren möglich, einfach um die nächste Straßenecke zu ziehen, ohne dass ihre Lieferanten sie jemals wiedergefunden hätten.

Seit aber in Griechenland ab Juli 2015 die Syriza-Linkssozialisten unter Alexis Tsipras regieren, müssen alle unter ihren Verhältnissen als „Tiefstapler“ leben. Das System der „Kapitalkontrolle“ gestattet nur Ausgaben bis zu 420 Euro pro Woche, mag der Betroffene auch Millionen auf dem Konto haben. So bekam der fähige Finanzminister Efklidis Tsakalotos die Geldflüsse in den Griff. Gleichzeitig realisiert er den alten Sozialistentraum vom „Umverteilen“, ohne jemandem etwas von seinem Kapital wegzunehmen. Die Griechen haben sich inzwischen daran gewöhnt, jeden Euro dreimal umzudrehen – die Preise für Produkte und Dienstleistungen sind dem schon ziemlich entgegengekommen. Kein Spielraum zum Anpassen bleibt allerdings Jungarbeitern und -bediensteten mit einem Anfangslohn von 265 Euro monatlich oder den Beziehern von Altersrenten. Diese liegen heute im Schnitt bei nur mehr 400 Euro.

Instabiler Nachbar

Was Griechenland weiter zunehmend zugute kommt, ist die galoppierende Destabilisierung beim Nachbarn Türkei. EU und Nato brauchen wenigstens einen halbwegs zuverlässigen Staat an ihrer Südostflanke. Im Vergleich mit dem, was Erdogan in Ankara aufführt, erscheint Athen heute als klar vorzuziehender Partner.